Weitere Geschichten von Ron Dennis in Erinnerung an seine Zeit mit Ayrton Senna…
Als Senna 1991 endlich den Grand Prix von Brasilien gewann
„Als Brasilianer war es natürlich ein gewisses Kalkül, den Grand Prix Sieg im Heimatland anzustreben. Senna wusste, dass er damit seinen Marktwert steigern und ein noch grösserer Held werden konnte. Er hatte einen sehr starken Sinn für Werte und war auch sehr leidenschaftlich. Natürlich war die Menge enthusiastisch und riss alle mit, aber für mich war es nur ein Rennen und das eben in Brasilien. Oft fragen ja die Leute „Was ist denn ihr Lieblingsrennen ?“ und ich sage immer „Das letzte, das wir gewonnen haben“. Für ihn war es natürlich ein sehr wichtiges Rennen, für mich eines von vielen.“
… und dann der physische Kampf, als er auf das Podium stieg
„Jeder Fahrer möchte eins werden mit seinem Auto und zwar bis zur Unbeweglichkeit. In Brasilien 1991 hat Senna seinen Gurt so festgezogen, dass er richtig mit seinem Auto verbunden war. Das machte ihm dann auch wahnsinnige Schmerzen, als er aufs Podium stieg.“
Über Sennas Schmerztoleranz
„Ich erinnere mich noch an Mexico 1991, da machte Ayrton einen seiner wenigen Fehler und drehte sich ins Kiesbett. Der Wagen kam kopfüber zum Liegen und keiner wusste wirklich, wie es ihm ging. Er wurde ins medizinische Zentrum gebracht und ich hörte wie er vor Schmerz schrie.
Sid Watkins kam heraus und grinste. Er meinte, „Ayrton ist nicht verletzt, es geht ihm gut. Nur ein wenig durchgeschüttelt.“ Ich sagte, dass ich ihn schreien hörte. „Ayrton hatte nur einen Stein im Ohr, da der Kies irgendwie durch den Helm ging und ihn sehr schmerzte.“
„Seine Schmerztoleranz war ein interessanter Teil seines Auftrittes. Außerhalb des Rennens war er überaus vorsichtig.“
Über Sennas Engagement bei seiner Fitness
„Niki Lauda hat nach seinem Unfall realisiert, wie wichtig körperliche Fitness für einen Rennfahrer ist. Senna brachte dies auf einen anderen Level. Er wusste, er kann ein besserer Fahrer sein, wenn er körperlich topfit ist.“
Über Gerhard Bergers Einfluss auf Senna
„Gerhard gab mir die perfekte Waffe, um mit Senna umzugehen, denn er brachte Humor ins Team. Einfach einen Witz zu erzählen und Senna zum Lachen zu bringen, war nicht möglich. Seitdem Gerhard zu uns kam, war das Eis aber gebrochen.“
Über das Management von Senna, als sich der Wettbewerbsvorteil von McLaren zu Williams Ende 1991 verlagerte
„Wenn man erfahren ist und einen Fahrer lange kennt, weiß man wie man mit ihm umgeht, was man wann wo und wie sagen muss. Wenn man viele Siege zusammen gefeiert hat, muss man auch auf ein paar gemeinsame Niederlagen vorbereitet sein. Ayrton hat 40 Prozent seiner auf McLaren gefahrenen Rennen gewonnen, das ist eine großartige Statistik. Aber gleichzeitig würde er damit kämpfen, nicht konkurrenzfähig zu sein.
Da war eine ganze Menge an Argumenten, die ich zu ihm in einer derartigen Situation sagen könnte. Wenn ich frustriert war, sagte ich „Wenn du nicht so teuer wärest, könnte ich mehr in das Auto stecken, denn Frank Williams zahlt den Fahrern weniger“, und er würde antworten „Wenn du mir ein besseres Auto gibst, brauchst du mir nicht so viel zahlen.“ Ich würde dann zu ihm sagen „Sieh her, soviel habe ich dir in den letzten drei Jahren gezahlt, soviel habe ich in das Auto gesteckt“. Es dreht sich einfach im Kreis, immer wieder dieselben Argumente.“
Über seine liebste Erinnerung an Senna
„Einmal gab er mir einen Brief, in seiner ganz persönlichen ruhigen Art. Darin waren 10.000 Dollar für eine Wette, dass ich es nicht schaffe, eine ganze Schachtel Chili zu essen. Bevor er sie zurückziehen konnte, schlang ich sie hinunter. Das war das vierte Mal, dass er eine Wette gegen mich verloren hatte. Er sagte „Mit dir wette ich nie wieder. Du hast mich zum Wetten verführt und das ist keine gute Sache.“ Den Brief habe ich heute noch.“
„Das ist aus zwei Gründen meine liebste Erinnerung: es war nicht leicht, Senna ein Lächeln zu entlocken, aber es war ungleich schwieriger ihm Geld und ein Lächeln zu entlocken. Es war ein großartiger Moment, aber ich habe ein paar Tage später draufgezahlt.“
Als Senna Ende 1993 das zweite Mal nachdachte, 1994 zu Williams zu wechseln
„Er hat geschwankt, wirklich geschwankt. Er sagte aber „Ich habe einen Vertrag unterschrieben“ und ich meinte, man kann einen Vertrag brechen, wenn man einen Verlust beweisen kann oder wenn es ein Problem gibt. Er meinte aber „Ich habe mich verpflichtet“. Vor dem letzten Rennen in Australien hat er wirklich geschwankt.“
„Wir fuhren unser letztes gemeinsames Rennen und Senna kämpfte wirklich mit seiner Loyalität. Und so desaströs auch unsere Erfahrung mit dem Peugeot-Motor war, als wir einen Werksmotor bekamen, rief Senna an und meinte „Hättest du das zwei Monate früher gemacht, wäre ich geblieben“. Er sah aber ohne Werksmotor keine Chance zu gewinnen.“
Warum Senna von vielen als größter Rennfahrer aller Zeiten bezeichnet wird
„Ich denke, es liegt daran, dass er die ganze Zeit über so außergewöhnlich gut war. Es gab dabei keinen Abfall. Er war unheimlich konkurrenzfähig und bumm, war er nicht mehr da.“
Was er am meisten an Senna vermisst
„Es ist der Spaß, den wir hatten. Meistens waren es Gerhard, Ayrton, ich war bei den praktischen Scherzen miteinbezogen. Es waren nicht die Siege, an die ich mich am liebsten erinnere. Das war nur unsere Arbeit.“
„Es war auch nicht einfach Spaß, es war die Feinheit des Witzes. Diese Praxisscherze wurden einfach etwas Besonderes.
Ich kann mich erinnern, dass nach einem Abendessen einer aus unserer Gruppe in sein Hotelzimmer gegangen ist und es war nichts drinnen. Wirklich gar nichts. An diese Art der Scherze erinnere ich mich gerne, an das Gelächter und den Spaß.“
Über Sennas dauerhaften Einfluss
„Ich wurde so erfolgreich, weil ich seine Leistungsbereitschaft beim Fahren sah. Wie üblich in einem Team strengst du dich mehr an, wenn dir das ein Teamkollege vorlebt. Senna zeigte uns, wie sehr er darauf vorbereitet war, seine Ziele zu erreichen.
Er riss mich nach vorne, weil ich so gut wie meine Kollegen sein wollte. Ich mochte seine Prinzipien, da sie meine Stärken ansprachen. Er änderte die Formel 1 nachhaltig, da sich alle steigerten.“
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