Roland Ratzenberger verkörperte den Enthusiasmus und Antrieb eines richtigen Rennfahrers. Auch wenn er nicht mit dem Talent eines Ayrton Senna gesegnet war, wird er für immer mit ihm und dem tragischen Rennwochenende in Imola verbunden sein…
Roland Ratzenbergers Werdegang
Roland Ratzenberger wurde am vierten Juli 1960 in Salzburg geboren und war hinsichtlich Motorsport eigentlich ein Spätstarter. Die ersten Erfolge holte er in der Formel Ford-Serie. Im Jahre 1985 gewann er elf von 19 Rennen und wurde Deutscher, Österreichischer und Europäischer Formel Ford-Meister. 1986 gewann er auch das Formel Ford-Festival in Brands Hatch.
Der Österreicher fuhr 1987 in der Britischen Formel 3-Meisterschaft und wechselte 1988 in die Formel 3000. In der Nachfolgeserie der Formel 2 war er nicht gerade vom Glück verfolgt. Beim Madgewick Team warfen ihn Fahrzeugausfälle zurück, nach verunglückten Tests in Snetterton verließ er das Team. Den Rest der Saison verbrachte er in der Britischen Tourenwagen Meisterschaft, in der er in sechs Rennen fünf Podiumsplätze erreichen konnte.
Ratzenberger übersiedelte 1990 nach Japan und nahm dort als erster Europäer überhaupt sehr erfolgreich fü BMW und Toyota an der japanischen Formel 3000 teil. 1991 war erstmal die Rede von einem Wechsel Ratzenbergers in die Formel 1, jedoch scheiterte sein Engagement bei Jordan am Rückzug des Sponsors. Daher blieb er in der japanischen Rennserie. Bei den Le Mans Rennen dieser Jahre erreichte er immer Plätze unter den Top Ten. Auch beim 24-Stunden Rennen von Daytona konnte Ratzenberger mit Platz drei seines Teams überzeugen.
All-Rounder Ratzenberger
„Roland war ein sehr angenehmer Mensch und kam mit allen gut aus“, erzählt sein ehemaliger Teamchef Dick Bennetts. „Nicht nur einmal hatte er nicht genug Budget für seine Saison, aber das hat ihn nie beeinflusst.“
„Er war kein Schlappschwanz. Jeder, der das Formel Ford Festival in Brands Hatch gewinnen konnte, war ein wirklich guter Fahrer“, so Bennetts weiter. „Er hatte ein sehr gutes Gefühl bei schlechten Bedingungen, daher war er sehr schnell, wenn es regnete. Ein Karriere-Highlight war sicherlich der Sieg am Nürburgring im Juli 1987 bei einem Rennen zur Formel 3 Euroseries. Hier gewann er von Platz sechs aus und beendete die Meisterschaft als Vizemeister. Er war so begeistert.“
Ratzenberger wurde zwar nicht als so talentiert wie zum Beispiel Senna angesehen, kämpfte aber daher umso mehr, um seine Ziele zu erreichen. Er fuhr in verschiedensten Rennserien und Klassen und hatte bis zu seinem Tod 1994 in seinem besten Jahr 25 Rennen in fünf verschiedenen Serien absolviert. Das war mehr, als jeder andere Fahrer in der Formel 1 im Jahre 1994.
1987 fuhr er in der WTCC, 1989 auch in der DTM und später in Le Mans. Um seine Karriere weiter zu bringen, wechselte er wieder nach Japan und fuhr dort Formel 3000, Touren- und Sportwagen. Er gewann dort sowohl die 1000 Kilometer von Fuji, als auch die 1000 Kilometer von Suzuka.
Ende 1991 testete er den IndyCar-Lola von Michael Andretti und war nur um Bruchteile einer Sekunde langsamer als der Formel 1-Fahrer. Ein Formel 1-Cockpit zu ergattern war sein Traum. Umso bitterer war sein Scheitern 1991 durch den Rückzug eines Sponsors.
Die zweite Chance
Ratzenberger sollte jedoch eine zweite Chance bekommen. Das frischgebackene Team von Simtek suchte einen Partner für David Brabham. Teamchef Nick Wirth verpflichtete den Österreicher mit einer Garantie für sechs Rennen. Wie üblich hatte er nicht das erforderliche Budget für die gesamte Rennsaison.
„Wir haben einige Zeit zusammen verbracht, haben miteinander trainiert und sind dann nach Monaco gefahren“, erzählt David Brabham. „Roland ist es ziemlich leicht gefallen, damit umzugehen, er war einfach ein großartiger Kerl. Für mich war er so etwas wie ein Vorzeigerennfahrer: fit, gutaussehend und jemand, der voll im Leben stand.“
Ratzenberger kämpfte immer um Geld und musste es selbst aufstellen. Es wurde ihm nicht auf einem Silbertablett serviert, sondern er musste darum kämpfen. Deshalb ging er auch nach Japan, da er dort Geld aufstellen konnte. Er war der Typ Mensch, der überall hinging, um sein Ziel zu erreichen. David Brabham und Roland Ratzenberger fuhren gemeinsam in Le Mans und nun waren sie in der Formel 1.
Beim Eröffnungsrennen zur Saison 1994 in Interlagos konnte sich Ratzenberger nicht qualifizieren. Er verpasste das Training bei trockenen Bedingungen wegen technischer Probleme und überstand das anschließende Qualifying im Regen nicht. Doch schon bei seinem zweiten Grand Prix qualifizierte er sich für das Rennen und beendete es als Elfter. Dies glich in der Hinsicht einer kleinen Sensation, da das Auto alles andere als konkurrenzfähig war.
Der Unfall
Beim anschließenden Grand Prix von San Marino kämpfte Ratzenberger nach wie vor mit Problemen bei seinem Auto. Er beschwerte sich über die Bremsen, sodass das Team Brabham auf zwei Testrunden schickte. Sie waren total unbrauchbar, sodass Simtek dringende Änderungen vornehmen musste. Der Österreicher verbesserte sich zusehends und alle waren zuversichtlich.
In seiner zweiten gezeiteten Qualifikationsrunde brach der linke obere Teil seines Frontflügels. Ratzenberger blieb auf dem Kurs, konnte mangels Anpressdruck nicht richtig in den „Villeneuve-Knick“ einlenken und krachte mit 300 km/h in die linke Begrenzungsmauer und schlitterte bis in die Tosa-Kurve. Wiederbelebungsversuche scheiterten noch am Unfallort.
„Dem ganzen Team und mir ging es sehr schlecht“, trauert Brabham junior um den Rennkollegen. „ Es hing eine schwarze Wolke über uns und wir stellten uns die Frage, ob wir im Rennen starten sollten. Ich fuhr einige Warm-Up-Runden und kam ganz gut zurecht. Also entschieden wir zu starten.“
Brabham und seine Teamkollegen hatten begreiflicherweise zu kämpfen, das Rennen auch geordnet zu Ende zu fahren. Aus Respekt zu Ratzenberger gaben aber alle – trotz ihrer Trauer – ihr Bestes. „Ich werde niemals sein Lächeln vergessen“, denkt Brabham gerne an den Österreicher zurück. „Er war ein so engagierter Rennfahrer und ein sehr ehrenhafter Mensch, in- und außerhalb der Rennstrecke. Sein Lächeln ist aber eine dauerhafte Erinnerung. Ein Rennfahrer durch und durch.“
Nur einen Tag später schockte Sennas tödlicher Unfall die Weltöffentlichkeit. In dessen Auto wurde später eine österreichische Flagge gefunden, als geplanter Tribut an Roland Ratzenberger.
„Samstag war schrecklich, aber Sonntag waren alle entgeistert“, erzählt Bennetts über dieses grausame Wochenende. „Schon als er bei uns war, hatte Senna den Ruf, der Beste zu sein. Er war ausgesprochen talentiert, hatte aber manchmal auch seine Macken, mit denen man umzugehen können musste. Bei Roland gab es das nie. Er war ein ruhiger Typ, ein netter Kerl, der für den Rennsport lebte. Wir werden sie immer in Erinnerung behalten. Es war eine Tragödie für den Motorsport, aber vor allem eine Tragödie für die beiden jungen Kerle“, erinnert Bennets an dieses ungleiche Paar im Tode.
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