Ralf: Alles was Formel 1 ist, ist gut für Mick!

Ex-Formel 1 Pilot Ralf Schumacher äußerte sich bei unseren Kollegen von SPORT1 im Interview über Vettel, Ferrari, Hamilton und die Neffe Mick

…über die schwierige Situation von Sebastian Vettel bei Ferrari:
„Es ist nicht zielführend, einen Fahrer zu benachteiligen, weil man von beiden Autos die Punkte braucht. Das kann keiner beweisen und ist auch nicht zielführend. Fakt ist, man ist von Beginn an mit Vettel nicht gut umgegangen. Der erste große Bruch war letztes Jahr schon in Monza, nachdem sich das Team in der Windschatten-Affäre hinter Leclerc gestellt hat. Man hat sich damals schon in diese Richtung konzentriert und das Auto immer mehr in Richtung Leclerc entwickelt.“
 
… über den Vergleich zwischen Vettel und seinem Teamkollegen Charles Leclerc:
„Im letzten Jahr gab es Rennen, wo Vettel eine ganz andere Klasse war. Ich möchte nur an Kanada erinnern oder den Red Bull Ring. In Spielberg hatte er in diesem Jahr gar keine Chance. Das darf man nicht außer acht lassen. Beide sind sehr unterschiedlich vom Fahrstil her. Was man Charles schon lassen muss, vielleicht wegen seines Managements oder weil er jünger ist: Er stellt sich gut auf die Situation ein. Wenn er Fehler macht, steht er dazu. Er ist in der Lage, das Ferrari-Team hinter sich zu bringen. (…) Das Team hat sich wirklich auf einen Fahrer konzentriert und Vettel etwas außen vorgelassen.“
 
… über die die Weiterentwicklung bei Ferrari:
„Ab einem bestimmten Punkt kriegt Vettel die Weiterentwicklung nicht mehr mit. Dem Sebastian wird nur noch gesagt, was er unbedingt wissen muss. Vettel hat dem Team schon oft per Funk gesagt, was sie besser machen können und auch Recht behalten. Daher ist es schon wichtig für Ferrari, so einen erfahrenen Mann zu haben.“
 
… über Vettels Wechsel zu Aston Martin:
„Es ist für Sebastian der richtige Schritt. Es ist eine kleine kompakte Truppe, die ihn unbedingt haben will und seine Erfahrung schätzt. Das Team muss noch viel lernen. Die haben ein super Paket entwickelt und das Auto hat deutlich mehr Potenzial als es das manchmal zeigt. Aber sie machen noch viele Fehler.“
 
… über die Rücktrittsgedanken von Lewis Hamilton:
„Das muss jeder selbst entscheiden. Man darf auch nicht vergessen, sieben Titel gehen nicht spurlos an einem vorbei. Hamilton ist ja noch nicht alt und die Motivation ist sicher kein Thema bei Hamilton. Aber es ist sicher auch ein finanzielles Thema. Auch Mercedes wird einsparen müssen. Vielleicht will er gar nicht mehr. Vielleicht weiß er auch schon mehr. Der Motoren-Mann Andy Cowell geht. Das ist eine Kerntruppe von fünf, sechs Leuten, die das Team formen. Wenn da noch ein paar gehen, dann ist das nicht mehr das Team, das es mal war.“
 
… über Hamiltons politische Statements:
„Ich bin der festen Überzeugung, dass Sport und Politik nicht miteinander verbunden werden dürfen. Und wenn, ist es schon gar nicht die Aufgabe der Fahrer. Jeder soll Spaß und Freude am Sport haben. Aber er soll auch nicht zu sehr polarisieren. Er kann polarisieren, aber er soll keine Aggressionen hervorrufen. Wenn man sich als Fahrer zu sehr auf gewisse Dinge stürzt, dann hat das eine Gefahr, das hat der Sport nicht verdient.“
 
… über den Verlust für die Formel 1, wenn Hamilton seine Karriere beenden würde:
„Grundsätzlich hatte die Formel 1 immer Helden, auf die sie aufgeschaut hat. Ob es ein Senna, Porst, Michael Schumacher oder Mansell war. Es kamen immer Neue dazu. Man kann daher behaupten, man sollte den Bogen nicht überspannen, aber trotzdem hat er seinen Wert. Seine Werte sind auch ganz wichtig und er kann die auch auf Instagram vertreten – die Frage ist nur, wieso er es immer im Mercedes-Anzug und an den Rennstrecken machen muss. Das sehe ich problematisch, der Rest ist mir egal.“
 
… über die Schumacher-Rekorde, die Hamilton gebrochen hat:
„Rekorde sind dazu da, gebrochen zu werden. Es ist einfach großartig, was er da leistet. Irgendwann aber wird wieder einer kommen, der Hamiltons Rekorde brechen wird.“
 
… über ein mögliches Cockpit für Mick Schumacher bei Haas:
„Alles was Formel 1 ist, ist richtig gut für Mick. Aber die Situation bei Haas hat sich etwas geändert, da standen Verkaufsgedanken im Raum. Dazu rücken Ferrari und Haas näher zusammen. Das kann ich mir gut vorstellen, denn Ferrari hat so viel in Mick investiert – auch finanziell, plus natürlich die emotionale Bindung. Man wird versuchen, das Team technisch so gut es geht zu unterstützen. Hoffentlich passt der Motor, dann kann das auch eine Überraschung werden.“
 
… über die Option, dass Haas zwei Rookies für die neue Saison verpflichtet:
„Das halte ich für eine Mammutaufgabe in der heutigen Formel 1, weil sie einfach enorm technisch geworden ist. Ein Sergio Perez oder Niko Hülkenberg, das sind Fahrer, die viel mehr Erfahrung in der Formel 1 haben. Das wäre wünschenswert. Klar kann man sagen, lass die zwei Rookies einfach mal fahren, wenn sie den Speed haben. Aber es wird sehr schwer, weil die Formel 1 viel mehr ist als nur Speed.“
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