Lamborghini-Chef Stefano Domenicali sieht das Unternehmen weder mittel- noch langfristig in der Formel 1. Wie der Ex-Ferrari-Rennleiter im Gespräch mit „Motorsport-Total.com“ sagt, gäbe es wirtschaftliche und marketingtechnische Gründe für seine Zurückhaltung.
„Es besteht keinen Anlass, uns auf diese Plattform zu begeben, weil die Marke auch so sehr stark wächst“, erklärt Domenicali. Trotzdem macht er kein Geheimnis daraus, dass es für ihn eine Herzensangelegenheit wäre, Lamborghini in die Königsklasse zu führen. „Für jemanden wie mich, der sein halbes Leben in der Formel 1 verbracht hat, ist es ein delikates Thema, aber wir müssen rational bleiben“, sagt Domenicali.
Das wichtigste Hindernis ist die Größe des Unternehmens. Der Autobauer beschäftigt 1.175 Mitarbeiter und machte 2016 einen Umsatz von 906 Millionen Euro. Zum Vergleich: Bei Ferrari sind 3.115 Menschen angestellt, es wurden 3,1 Milliarden Euro eingenommen.
„Um einen Motor zu bauen oder ein Werksteam an den Start zu bringen – dazu fehlen uns die Kapazitäten“, stellt Domenicali klar. Allerdings: Das heftig F1-interessierte Aston Martin hat zwar eine rund 50 Prozent größere Belegschaft, liegt beim Umsatz jedoch deutlich hinter Lamborghini.
Domenicali führt weitere Gründe gegen einen Einstieg in die Königsklasse an: er erkennt keine Renntradition bei Lamborghini, sondern sieht die Marke als Hersteller von Straßenautos. „Bei der Gründung 1963 ging es darum, größere Supersportwagen-Bauer herauszufordern – namentlich Ferrari. Daher ist das Erbgut Lamborghinis nicht dafür geschaffen. Das Investment, das es heute braucht, um mitzumischen und mindestens wettbewerbsfähig zu sein, sowie das Risiko, unsere Marke in einer schwierigen Situation zu beschädigen, sind für Wachstum nicht nötig.“ Soll heißen: Lamborghini verzichtet lieber auf einen möglichen Marketingpush, wenn Geld und guter Ruf auf dem Spiel stehen.
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