Kaltenborn: „Ein Tausch Russell gegen Bottas kommt noch zu früh“

Die ehemalige Sauber Teamchefin Monisha Kaltenborn war bei den Kollegen des „AvD Motor & Sport Magazins“ auf SPORT1 und sprach dort über die Formel 1, Sebastian Vettel und Mick Schumacher, die Personaldiskussion um George Russel und die neue DTM

Monisha Kaltenborn über …

… Russell als Nachfolger von Bottas bei Mercedes: „Das ist eine ganz schwierige Sache. Das Team fährt ganz vorne mit, muss sich auf seine Fahrer verlassen können. Wenn es zu Komplikationen kommt, wird es schwierig, besonders, wenn schon ein anderer Fahrer in der Tür steht. Man hat Russell aufgebaut, irgendwann muss man ihn auch einsetzen. Wozu wurde er sonst herangeführt? Ein Fahrerwechsel während der Saison ist nicht gut, aber manchmal hat die Zusammenarbeit keinen Sinn mehr. Aus meiner Sicht ist es für Mercedes noch nicht an der Zeit, den Wechsel vorzunehmen, weil zu viel Unruhe reinkommt. Bottas weiß aber, da steht der Nächste schon an.”

… Vettels Bilanz: „Vettel ist solide gefahren. Der letzte Erfolg hat ihm gutgetan. Man sieht jetzt eine andere Einstellung und der Erfolg trägt dazu bei. Er kann sicher unter die ersten Zehn fahren. Die Frage ist, was er für ein Werkzeug bekommt. Es braucht eine gewisse Zeit, bis sich ein Team entwickelt hat. Vettel hat das Fahren nicht verlernt, aber das Umfeld muss stimmen. Bei Aston Martin sind die gewissen Mittel da. Der Teambesitzer ist sehr ehrgeizig.“

… Mick Schumacher: „Die Rookie-Saison ist immer schwierig. Das Wichtigste ist, dass er Erfahrung sammelt und wenige Fehler macht. Er macht seine Sache gut, da kann ich nicht viel Kritisches sagen.”

… Ex-Sauber-Pilot Pérez: „Die Entwicklung freut mich, denn als wir ihn damals bei Sauber bekannt gegeben haben, wurden wir sehr stark kritisiert. Wir haben uns trotzdem für ihn entschieden. Dass er stark fährt, hat er aber direkt zu Beginn gezeigt. Hat sogar Podiumsplätze für uns herausgefahren. Bei seinem letzten Sieg hatten wir wieder Kontakt. Als Mensch war er sehr gut aufgestellt. Nur bei physischen Trainings war er nicht gerne dabei. Aber er war sehr gut fürs Team und hat fahrerisch vieles geleistet.”

… den Frankreich GP: „Das Rennen war unerwartet spannend. Frankreich hat eigentlich nicht zu den spannenderen Rennen gehört. Dass es besser war, hat an den Vorderen gelegen. Zwei Teams haben gegeneinander gekämpft. Zwei Teams, die sehr vergleichbar sind. Das entscheidende Element waren die Fahrer.”

… den Einfluss von Geld in der Königsklasse: „Ich sehe, dass die Formel 1 stark vom Geld geprägt ist. Früher wurde aber auch viel Geld reingesteckt, nur hat man nicht so sehr darauf geschaut. Ein kleineres Team muss schauen, dass die Mittel stimmen, und sich vielleicht auf andere Quellen beziehen. Früher war es auch so, man hat es nur anders genannt. Die Formel 1 bleibt immer ein elitärer Sport. Das System ist vorprogrammiert, elitär zu sein. Es gibt nur wenige Startplätze und wenige Fahrer. Andere Serien sind breiter aufgestellt. Auch der eSport.“

… simRacing: „Das Fahren ist sehr anstrengend. Es darf nicht zu viel Zeit vergehen zwischen dem, was man sieht, und dann spürt. Ich bin noch keinen Formel-1-Wagen gefahren. Wir wollen dennoch ein relativ hohes Realitätsszenario entwerfen. Unser Simulator kann eine Trainingsmöglichkeit sein und ist auch nicht so teuer wie andere. Das kann gerade für die kleineren Serien einen Beitrag leisten. Man sieht bei der Simulation schon ein gewisses Talent. Die Indizien sind erkennbar. Im Moment kann man sich bei uns anmelden und einschreiben, in der Zukunft wollen wir Teams bilden. Durch die Daten-Analysen wollen wir dann erkennen, wer Talent hat.”

… den DTM-Auftakt: „Das ist das Schöne an der DTM: Sie schaffen es, so viele Fans zu haben und so nahe an ihnen dran zu sein. Man sieht, wie viel Action in dieser Serie ist. Sie treffen den Puls richtig, machen ein richtiges Event daraus und bewahren die Traditionen.”

… Frauen im Motorsport: „Es ist wichtig, dass Frauen in diesen Serien vertreten sind. Dass sie gefördert werden wie die Jungs. Der Ehrgeiz ist zu sagen: Ich will besser sein, ich will die Beste sein.”

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