Head: „Frank hat jeden mit seiner Begeisterung angesteckt“

Am Wochenende ging Sir Frank Williams im Alter von 79 Jahren von uns. Keiner kannte den legendären Teamchef besser als sein Williams Racing Partner Patrick Head. Dieser erinnerte sich nun an eine Hommage an seine Zeit mit Sir Frank

Ich lernte Frank Ende 1975 kennen. Anfang der 1970er Jahre arbeite ich, nach einem Ingenieurstudium am University College in London und nachdem ich an einem Projekt zur Entwicklung von Super-V-Volkswagen-Motoren sowie dem Design des Scott F2-Autos beteiligt war, drei Jahre bei Lola Cars.

Ich hatte dann in Teilzeit mit Ron Tauranac bei Trojan Cars zusammengearbeitet, als ich in den Surrey Docks ein Boot baute. Da erhielt ich einen Anruf, um Frank in seinem Werk in Reading zu treffen. Ich hatte keine Ahnung von der Formel 1 oder von Frank Williams, war aber völlig pleite und nahm sein Angebot gerne an, sich der langen Reihe an Designern anzuschließen, die für ihn gearbeitet hatten.

Eine Woche nachdem ich angefangen hatte, war der Deal mit Walter Wolf abgeschlossen und damit kamen Harvey Postlethwaite und die Hesketh-Autos. Mir wurden 500 Pfund angeboten, um zu gehen oder unter Harvey zu arbeiten. Es war ein großartiges Lehrjahr für mich, und ich konnte beobachten, ohne in der Schusslinie zu stehen.

Anfang 1977 verließ Frank das Team, während ich mit Jody Scheckter und einem kleinen Testteam in Kyalami in Südafrika war. Dann bekam ich einen Anruf von Frank, der meinte, er würde wieder anfangen, und ob ich mitkommen würde? Es war ein großer Schritt für mich, aber Franks unglaublicher Enthusiasmus und sein Engagement waren ansteckend, und ich beschloss, mit ihm zu gehen. Dies war der Beginn von Williams Grand Prix Engineering im März 1977.

Frank arbeitete sehr hart an der geschäftlichen und operativen Seite, während ich mich auf die Design- und Fertigungsseite konzentrierte. Grundsätzlich mischten wir uns beim jeweils anderen nicht ein. Gerade in den Anfangsjahren hatten wir einige ernsthafte finanzielle Herausforderungen zu meistern, wobei wir uns einige Male vor dem Bankmanager verstecken mussten, obwohl er, um dem örtlichen Didcot-Bankmanager gegenüber fair zu bleiben, weit außerhalb seiner Befugnisse agierte, nur um das Team zu unterstützen. Aber die Geldbeträge, die die Formel 1 damals benötigte, waren auch ganz andere als heute.

Es gab Zeiten, in denen ich mit den Herausforderungen kaum mehr zurechtkam, aber Frank war immer positiv, immer davon überzeugt, dass ‚alles gut wird, Junge‘. Es war daher schwer, sich von seiner positiven Einstellung nicht mitreißen zu lassen. Im Laufe der Jahre hatten wir nur wenige Gründe, um zu streiten, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich nie einen Grund hatte, an seinem Engagement zu zweifeln, mich zu unterstützen, egal welche technischen Herausforderungen auftauchten.

Er bewunderte die schnellen Fahrer sehr, und wir gewannen Meisterschaften mit Alan Jones, Keke Rosberg, Nelson Piquet, Nigel Mansell, Alain Prost, Damon Hill und Jacques Villeneuve. Aber seine größte Bewunderung galt Ayrton Senna. Ich bin sicher, er war am Boden zerstört, als Ayrton in einem Williams-Auto getötet wurde, aber Frank war sehr zurückhaltend mit seinen Gefühlen, noch zeigte er einen Mangel an Überzeugung, dass das Unternehmen dennoch weiterbestehen und noch mehr Rennen und Meisterschaften gewinnen würde.

Frank wurde von seiner Frau Ginny immer immens unterstützt. Die Zahlungen ihrer Familie dienten dazu, Williams in den frühen Tagen über Wasser zu halten. Und auch wenn Frank es nicht zeigte, habe ich keinen Zweifel, dass er am Boden zerstört war, als sie 2013 mit 66 viel zu jung an Krebs starb.

Sein Engagement und seine Begeisterung für den Erfolg auf der Strecke waren ansteckend, nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen, die bei Williams gearbeitet haben. Bis in die letzten Tage der Firmenleitung der Williams-Familie war Frank in der Fabrik und vor allem im „Race Shop“ mit den Autos und den Team-Mechanikern zu sehen und begeisterte seine Belegschaft.

Frank hat ganz sicher seine Spuren in der Formel 1 hinterlassen und er wird vielen, einschließlich mir, in guter Erinnerung bleiben.

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