Der legendäre Red Bull Motorsportberater feiert heute Sonntag seinen 82. Geburtstag.
Exklusiv bringen wir Euch das Interview unseres Herausgeber Harry Miltner mit dem Rennsport-Urgestein für sein Buch „Helden der Ringe“
Helmut, der Unfall beim Grand Prix von Frankreich 1972 hat Deine Formel 1 Karriere als Fahrer beendet. Wie kam es dazu?
(Ronnie) Peterson ist von der Strecke abgekommen und damals gab es keine Leitplanken. In Clermont-Ferrand lagen viele Steine herum und einer hat mich dann getroffen. Der Stein flog durch das Visier und hat mich am Auge getroffen. Ich wurde dann zu einer Hütte gefahren, aber es war kein Arzt dort. Danach haben sie mich ins Krankenhaus gebracht und es hat ewig gedauert, bis der richtige Arzt kam. Der Unfall war in etwa um ½ 3 Uhr und erst um 21:00 Uhr kam der Arzt. Sie mussten ihn von einer Grillparty holen, denn er war für Augenverletzungen zuständig. Weil ich kein Franzose war, haben sie verlangt, dass ich bar bezahle.
Hätte man das Auge retten können, wenn man Dich sofort behandelt hätte?
Manche sagen ja, aber beweisen kann man es nie. Ich hatte einfach nur große Schmerzen und wollte endlich behandelt werden. Ich bin zum ersten Mal mit einem neuen Chassis gefahren und ich habe nicht ganz hineingepasst. Deshalb war ich zehn oder 20 Zentimeter höher als normal. Für das nächste Rennen sollte ich einen neuen Sitz bekommen, mit dem ich tiefer im Auto gesessen wäre. Dann hätte mich der Stein nicht getroffen.
Wie ging es danach weiter?
Nach dem Unfall bin ich zwei Monate im Krankenhaus gelegen. Die Schmerzen waren enorm und ich hatte beide Augen dick verbunden. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken und entschied in einer Nacht, dass ich etwas Neues machen muss. Heute denke ich mir, das sich bei dem Unfall sogar Glück hatte, denn ich habe ihn überlebt.
Der Freak-Unfall hat eine mögliche große F1 Karriere beendet…
Ob groß oder nicht, kann man heute nicht sagen. Aber ich kam mit dem BRM immer besser zurecht. Und vor meinem Unfall in Frankreich war ich kurz davor, einen Vertrag mit Ferrari zu unterschreiben. 1972 fuhr ich für Ferrari Sportwagen-Rennen. Ich schaffte im strömenden Regen und bei null Sicht Platz 2 und wir einigten uns mehr oder weniger mündlich. Man sagte mir, ich müsse noch nach Maranello kommen, um in einem Treffen mit dem Commendatore den Vertrag zu fixieren.
Auf der Langstrecke warst Du ja bereits vor der Formel 1 zuhause, hast 1971 sogar in Le Mans gewonnen…
Langstreckenrennen sind etwas ganz anderes. Die Sportwagen-Läufe waren im Vergleich zur Formel 1 einfacher und sie waren mir auch lieber, weil ich dort ein Siegesauto hatte (lacht).
War die Zeit als aktiver Rennfahrer schöner oder ist es die Zeit neben der Strecke?
Simpel: Zu meiner Zeit als Aktiver bin ich um 9 Uhr an die Strecke gekommen und um 17 Uhr ist man dann auf Partys gegangen. Was sich rundherum abspielt, hat man nicht mitgekriegt. Jetzt gehe ich um 7 auf die Strecke und um 22 Uhr nach Hause – und ich verdiene weniger Geld. Aber wenn ich heute ein Rennauto im Regen beim Rutschen und Übersteuern beobachte, fühle ich mich wieder in meine Zeit als Rennfahrer zurückversetzt.
Was waren Ihre schönsten Momente im Motorsport?
Als Aktiver war es sicher der Le-Mans-Sieg 1971, dann habe ich in der Formel 1 in Clermont-Ferrand ein wettbewerbsfähiges Chassis bekommen. Es war eine familiäre Zeit damals, aber trotzdem mit einer sehr hohen Wettbewerbsfähigkeit. Höhepunkt meiner Arbeit als Berater war sicher der erste WM-Titel von Sebastian Vettel mit Red Bull 2010 in Abu Dhabi, wo wir bis zur letzten Runde gezittert haben. Und als Verstappen 2016 in Barcelona gewonnen hat, war das großartig. Es hat zuvor so große Kritik gehagelt. Ich sei verrückt, dass ich den jungen Burschen zu Red Bull hole, unverantwortlich, dumm. Und dann gewinnt der seinen ersten Grand Prix.
Worauf sind sie noch stolz?
Es gibt vieles. Wir haben aus einem Privatteam im unteren Mittelfeld ein Siegerteam geformt. Wir können stolz sein auf dieses Red-Bull-Paket mit dem Junior-Team.
Was waren die hässlichen Momente?
Schiache Momente gab es leider viele. Markus Höttinger, das war ein Burgenländer, eine Riesen-Hoffnung, wurde von einem abfallenden Rad von Derek Warwick erschlagen. Helmut Koinigg ist in Watkins Glen gestorben, und ich war immer involviert, da ich beide unterstützt habe. Jo Gartner ist bei uns Gokart gefahren und hat dann 1986 in Le Mans den tödlichen Unfall gehabt. Ich habe viele Kollegen verloren. Der Tod war immer präsent.
Wird die große alte Westschleife auf dem Red-Bull-Ring wieder einmal aktiviert werden?
Es werden bürokratische Hürden in den Weg gelegt, also kann man im Moment nicht davon ausgehen. Aber warten wir einmal ab. Wenn man den Worten der neuen Parteichefs glaubt, wird ja ein schlanker, leistungsorientierter Staat auf uns zukommen. Jedenfalls braucht es ein Umdenken.
Über Niki Lauda entstand der Film „Rush“.
Ich war mit einigen Freunden, die nichts mit Motorsport zu tun haben, bei der Premiere in Wien. Sie waren sehr beeindruckt. Es ist gut, dass alle Kinozuschauer realisieren, wie gefährlich das Ganze zu jener Zeit noch war.
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