Mit der Formel 1-Saison 2021 beginnt eine neue Zeitrechnung was die Saisonetats angeht. Der so genannte „Budget Cap“ die Teams zum Sparen und legt eine Obergrenze von 145 Millionen Dollar fest
Vor 30 Jahren standen zu Beginn der Formel 1 Saison 1991 sagenhaften 18 Teams in den Boxen. Zehn Jahre später, 2001, waren es nur mehr 11. 2010 kamen mit Lotus Racing, Hispania Racing und Virgin Racing drei Neulinge dazu, die aber der Reihe nach wieder verschwanden. Ende 2016 musste Manor GP das aus Virgin hervorging, als letztes die Segel streichen. Dank Haas F1, das im selben Jahr einstieg, besteht der Grid aktuell aus zehn Rennställen. Nach elf Jahren Dominanz zweier Teams – vier Jahre Red Bull gefolgt von sieben Jahren Mercedes und einem Starterfeld, das immer kleiner und unausgeglichener wurde, ein Grid mit Vier Beinahe-Pleiten und ebenso vielen Übernahmen, scheint nun langsam Vernunft einzukehren. Die Coronakrise ruinierte den Sport beinahe und die Ausschüttungen des neuen Rechteinhabers Liberty Media wurden halbiert. Besonders hart traf es dabei jene Teams, die nicht von Bonuszahlungen für frühere Erfolge profitieren, also quasi die „Neuen“, die ausschließlich am Antritts- und Preisgeld teilhaben wie Racing Point. Das Team um Milliardär Lance Stroll hätte 2020 normalerweise knappe 60 Millionen USD von Liberty bekommen, geworden sind es letztlich 30.
Entwicklung der Teambudgets
Cooper war 1959 das dominante Team und wurde mit Jack Brabham Weltmeister. Dafür brauchte man ein Budget von 10.000 britischen Pfund, was in etwa EUR 60.000 entspricht. Damit konnte das Team drei Autos einsetzen und drei Piloten bezahlen. Das sportlich mittelprächtige ATS Team war 1977 mit einem Saisonetat von 1 Million Mark unterwegs – heute rund zwei Millionen USD. Vier Jahre später kostete das Meisterschaftsjahr Teameigner Günther Schmid bereits sechseinhalb Millionen Mark, ca. 2,5 Millionen USD. Durch die Einführung der Turbomotoren Mitte der 1980er begannen die Kosten zu explodieren. McLaren-Porsche kostete der WM-Titel 1985 mit seinen 1.000 PS Monstern umgerechnet 19 Millionen USD – inflationsbereinigt fast 45 Millionen USD. In derselben Saison war Toleman mit nur fünf Millionen USD am Start. Fairerweise muss man erwähnen, dass die Briten im Folgejahr auch von Benetton übernommen wurden. Obwohl die Turbos dann verboten wurde, sanken die Kosten nicht mehr. Mittelfeld-Team Minardi benötigte 1991 ein Budget von 20 Millionen USD (inflationsbereinigt 35 Millionen USD), das Topteam Williams kam auf 60 Millionen USD (inflationsbereinigt 105 Millionen USD). 1994 durchbrach Ferrari erstmals 100 Millionen USD Grenze, 1996 waren es schon 120 Millionen, und 2001 lag man über 250 Millionen. Hersteller wie Toyota oder BMW sprengten sämtliche Rahmen mit Budgets von bis zu 400 Millionen USD. Erst die Wirtschaftskrise 2008 stoppte den Wahnsinn und die Top-Teams mussten wieder auf 200 bis 250 Millionen USD „abspecken“, für die kleinen Rennställe gab es 60 bis 80 Millionen USD. Das hat sich aber schon wieder geändert (siehe Faktenbox Teambudgets 2019 & 2020).
Verteilung wird ausgleichender
Die Formel 1 verteilte 2019 letztmalig Prämien nach dem System, das Ex-F1 Zampano Bernie Ecclestone seinerzeit erfunden hatte und auf drei Säulen aufbaute: das Antrittsgeld für jedes der zehn Teams (diesmal 35 Millionen USD), das Preisgeld (je nach WM-Position zwischen 15 und 66 Millionen USD), sowie die Extrazahlungen für frühere Erfolge oder lange Präsenz. Diese standen aber nur Ferrari, Mercedes, Red Bull, McLaren und Williams zu. Schlussendlich erhielt Ferrari noch seine Sonderzahlung (73 Millionen USD) für die Zusicherung eines exklusiven Antretens in der Formel 1 über die gesamte Vertragsdauer des so genannten Concorde Agreements. Der neue Eigentümer Liberty nimmt den großen Teams etwas weg und gibt dafür den kleineren Teams etwas mehr. Wenn Mercedes 2021 wieder die WM gewinnt, bekommt man statt 177 nur mehr 145 Millionen USD. Am schlechtesten steigt dabei Ferrari aus, denn die Italiener bekommen 23 Millionen weniger Bonus, 26 Millionen weniger Geld für frühere Erfolge, und sechs Millionen weniger Preisgeld. Umgekehrt ist die Lage bei Racing Point (WM-4- 2020, nun Aston Martin), denn die Jungs kassieren 41 Millionen USD mehr als noch zuvor. Und auch die hinteren Ränge bekommen mehr, denn während Sauber F1 2019 als Achter 56 Millionen USD erhielt, sind es nun 13 Millionen extra. Das System ist an die Gesamteinnahmen gekoppelt. Ferraris Bonus ist daher nicht fix, sondern variiert mit der Größe des Preisgeldtopfs. Zum Beispiel bekommen die Roten bei einer Topfgröße von unter einer Milliarde USD fünf Prozent, bei 1,1 Milliarden aber acht Prozent. Ähnliches gilt für die Historie, die 20 Prozent Wert ist, liegt der Topf bei 650 Millionen oder mehr. Nimmt Liberty mehr als 1,05 Milliarden für diesen Topf ein, steigt der Prozentsatz auf 25 Prozent.
Formel 1: Teambudgets 2019 & 2020 (in Millionen US Dollar)
| Team | 2019 | 2020 |
| Mercedes | 405 | 445 |
| Ferrari | 390 | 425 |
| Red Bull | 290 | 405 |
| Renault | 184 | 255 |
| McLaren | 217 | 255 |
| Alpha Tauri | 137 | 130 |
| Racing Point | 123 | 185 |
| Alfa Romeo-Sauber | 140 | 130 |
| Haas | 130 | 160 |
| Williams | 110 | 115 |
Quelle: Formula Money
Budget Cap ein Schildbürgerstreich?
Die großen Teams haben in der Vergangenheit knapp 40% ihres Budgets über den Preisgeldtopf finanziert. Ein großer Teil des Restes kam von Sponsoren. Seit Beginn der Saison 2021 besteht eine Budgetobergrenze mit 145 Millionen USD, die in den beiden Folgejahren auf schließlich 135 Millionen USD sinken soll. So könnte sich zum Beispiel Weltmeister Mercedes rein durch die Ausschüttung Preisgelder finanzieren, Ferrari würde sogar fünf Millionen USD verdienen. Doch das System hat einen Haken – es gibt bei der Deckelung Ausnahmen: die Fahrergagen, die Gehälter der drei teuersten Angestellten, die Motorkosten, die Reisespesen, die Verwaltung und das Marketing. Diese Hintertür wurde eingebaut, weil alleine schon Starpiloten wie Lewis Hamilton oder Max Verstappen 20 bis 30 Millionen USD Jahresgage verschlingen, Teambosse wie Toto Wolff oder Christian Horner kassieren um die 5 bis 8 Millionen USD pro Saison. Daher geht man davon aus, dass die großen Teams wie Mercedes, Red Bull, Ferrari oder McLaren deutlich mehr als die erlaubte Obergrenze benötigen. Um dies zu ermöglichen, gibt’s diese Ausnahmen. Wenn die Marketingdirektoren dieser Rennställe aber gut verhandeln, können die Rennställe ab 2023 Profite erwirtschaften. Dennoch sind die die Kleineren überzeugt, „wenn Du einen sehr guten Job machst, wirst Du auch Profit machen. Das gab es bisher noch nie,“ so Haas F1 Teamchef Günther Steiner. Dementsprechend vermutet Aston Martin Teamboss Otmar Szafnauer, dass sich die bisherige Hackordnung ab der kommenden Saison aufweichen wird. „Wir arbeiten bereits extrem effizient, was bei den Big Playern nicht immer so der Fall ist. Wenn du es gewohnt bist, immer in alle Richtungen mit hoher Qualität entwickeln zu können, wirst du dich nun fragen, wie Du nun disponierst. Das Geld für alles ist nicht mehr da. Wir mussten uns immer schon so entscheiden, die Großen nicht.“ Zak Brown, CEO von McLaren, geht davon aus, dass „Unsere Anteilseigner heißt das, dass das Rennteam, in das sie investieren, in fünf Jahren viel mehr wert sein als heute.“
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