Nach dem Brasilien-GP gibt es Diskussionen um die milde Fünf-Sekunden-Strafe. Der historische Kontext und die Hintergründe des neuen Strafmaßes
Bestrafungen gehören in der Formel-1 zum Alltag – sehr zum Leidwesen der Fans. Seit dem Großbritannien-GP werden die Rennkommissare zumindest dahingehend angehalten, bei Kollisionen nur noch dann Strafen auszusprechen, wenn die Schuld eindeutig und das Vergehen groß ist. Bestrafungen nach kleineren Berührungen gehören damit der Vergangenheit an.
Seit diesem Jahr kann die Rennpolizei außerdem auf ein neues Strafmaß zurückgreifen: Eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe, die entweder beim nächsten Boxenstopp absolviert werden muss, oder – falls kein Boxengassenaufenthalt mehr ansteht – am Ende des Rennens auf die Renndauer addiert wird. Felipe Massa war beim Brasilien-GP zu schnell in der Boxengasse (88 statt 80 km/h) und bekam dafür eine solche Fünf-Sekunden-Strafe. Trotzdem raste er als Dritter noch auf das Treppchen – ist die Strafe also zu mild?
Die Rennstrafen in der Formel-1 werden immer zahmer. Bis 1990 wurde den Fahrern für viele Vergehen wie dem damals noch häufig vorkommenden Frühstart am Ende des Rennens eine ganze Strafminute aufgebrummt. Das würde es heute den Fahrern nahezu unmöglich machen, noch Punkte abzugreifen. Früher war das anders: 1963 beim Frankreich-GP bekamen Graham Hill (BRM), Phil Hill (Lotus BRM) und Masten Gregory (Lotus BRM) eine Strafminute aufgebrummt, weil sie am Start stehen geblieben sind und anschließend von den Mechanikern illegalerweise angeschoben wurden. Trotz der Strafminute wurde Graham Hill noch Dritter, im Nachhinein wurden ihm die Punkte daher auch noch aberkannt.
Beim Kanada-GP 1990 fuhr Gerhard Berger im McLaren Honda als Sieger über die Ziellinie, fabrizierte aber einen Frühstart und wurde durch die Strafminute noch auf Rang fünf zurückversetzt. Das führte zu Diskussionen, weil die Reihenfolge auf der Strecke nicht mehr dem offiziellen Ergebnis nach dem Rennen entsprach. Daher entschied man sich fortan schon Rennstrafen während des Rennens einzuführen. Erst eine 10-Sekunden-Stopp-and-Go-Penately, dann eine Durchfahrtsstrafe, jetzt eine Fünf-Sekunden-Buße. Meistens hat man mit dem Strafmaß auf das immer näher zusammenrückende F1-Feld reagiert.
Ist die Fünf-Sekundenstrafe eine zu schwache Gängelung? Sie ist wohl in etwa so zu betrachten wie die gelbe Karte beim Fußball, in der Fünf-Sekunden-Bestrafung ist also eine Art Verwarnung zu sehen. Beim zweiten Mal müssen dann aber härtere Strafen her. Bei Felipe Massa mag die Buße vielleicht etwas schwach gewesen sein, in der Boxengasse sollte eigentlich Sicherheitsprioritätsstufe eins gelten. Massas Fall ist also durchaus diskussionswürdig.
Aber man darf auch nicht vergessen: Hätte sein Williams-Teamkollege Valtteri Bottas keine Probleme mit einem losen Gurt gehabt, hätte Massa durch die Bestrafung seinen Podestplatz verloren. Eine Durchfahrtsstrafe kommt den Fahrern oft doppelt teuer: Nicht nur, dass man durch die langsame Durchfahrt durch die Boxengasse viel mehr Zeit verliert als bei der Fünf-Sekunden-Strafe, oftmals gerät man deswegen auch mitten in den Verkehr – und verliert im Mittelfeld nochmal ordentlich Zeit. Oft ist damit das Rennen zerstört. Nicht selten wegen kleinen Vergehen, für die es im Fußball maximal die gelbe Karte gibt. Und in der Formel-1 daher jetzt folgerichtig die Fünf-Sekunden-Strafe.
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