Red Bull Motorsportdirektor Helmut Marko ist eine Motorsportlegende und ein F1 Spezialist, aber nicht der Beliebteste im Paddock
Er ist ein absoluter Experte, aber selten diplomatisch, und oft ein schlechter Verlierer. Geboren wurde Marko 1943 in Graz und ging zusammen mit dem späteren, ersten österreichischen Formel 1 Weltmeister Jochen Rindt zur Schule. Für lange Zeit entwickelten sich die Sportkarrieren der beiden Freunde gleich schnell, bis sich Marko – auf Druck seiner Eltern – vermehrt auf seinen Studiumsabschluss konzentrierte. Während Rindt gegen Ende der 1960er bereits ein Formel 1 Star war, stieg Marko erst 1969 in die Formel 3 ein. Jochen’s Tod ein Jahr später in Monza traf ihn sehr. So dauerte es bis 1971 ehe Marko seinen Durchbruch mit dem Sieg bei den 24h von Le Mans feiern konnte. Der Distanzrekord, der vom Österreicher mit seinem Teamkollegen Gijs van Lennep im Martini-Porsche 917K aufgestellt wurde, blieb bis 2010 ungeschlagen. Ein Jahr später fuhr er die 44,7 Meilen lange Strecke der Targa Florio in einem Alfa Romeo 33 in nur 33 Minuten und 41 Sekunden. Dieser Rekord steht bis heute. Marko zeigte in seiner zweiten Formel 1 Saison gute Leistungen im BRM P153. Er hatte bereits einen Vorvertrag mit Ferrari für 1973 unterschrieben. Während des Frankreich Grand Prix 1972 in Clermont-Ferrand kam es jedoch zu einem tragischen Zwischenfall: Ein Stein wurde durch den vorherfahrenden Ronnie Peterson aufgewirbelt und durchschlug das Helmvisier von Marko. Er konnte noch einen gröberen Unfall verhindern und sein Auto am Streckenrand abstellen. Die vielversprechende Karriere war dadurch aber beendet, denn er verlor die Sehfähigkeit seines linken Auges.
Anstatt um Punkte in der Königsklasse des Motorsports zu kämpfen, musste Marko mit ansehen, wie sein Landsmann Niki Lauda seinen Sitz bei Ferrari übernahm und zwei WM Titel in den nächsten 3 Jahren für die Italiener einfuhr. Dabei wurde Marko mehr Talent als Lauda attestiert. Marko managte danach zwei Premium Hotels, das Schlossberghotel und das Augartenhotel. Den Kontakt zum Motorsport hatte er jedoch nie verloren. Sein erster echter Schützling war Helmut Koinigg. Der junge Österreicher kam jedoch 1974 bei einem Unfall während des US Grand Prix in Watkins Glen ums Leben. Die nächsten Nachwuchshoffnungen von Marko waren der deutsche Hans Georg Burger und der Österreicher Markus Höttinger. Beide starben 1980 bei Unfällen in der Formel 2. Marko verhalf auch den beiden jungen Piloten Jo Gartner und Chrisitan Danner zu ihrem Le Mans Start 1981. Sein erster großer Erfolg kam jedoch mit
Gerhard Berger. Er nahm auch Karl Wendlinger, Juan Pablo Montoy und Craig Lowndes unter seine Fittiche, die alle für sein RSM Marko Team in der Formel 3 gefahren sind. Das Team wechselte später in die Formel 3000 und wurde schließlich das Red Bull Junior Team.
Seine Freundschaft zu Dietrich Mateschitz verhalf ihm zu seinem neuen Posten. Marko wurde 1999 Chef des Red Bull Nachwuchsprogramm und fungierte zusätzlich ab 2005 als Berater für das Red Bull Racing Team. 2007 entschied sich Red Bull Racing Mark Webber neben Davi Coulthard zu verpflichten. Webber hatte gute Verbindungen zu Renault und das Team wollte die französischen Motoren. Tonio Liuzzi und Sebastian Vettel fuhren bei Toro Rosso unter der Führung von Gerhard Berger. Dies führte zu einem Machtkampf zwischen Berger und Marko, welche ihre Fahrer als Schachfiguren nutzen, um die Vormachtstellung bei Mateschitz im Bullen Stall zu erlangen. In der darauffolgenden Saison entließ Berger den Marko Schützling Liuzzi, was sich als eine desaströse Entscheidung des Tirolers herausstellen sollte. Marko hatte immer eine klare Idee wie die Dinge laufen sollen. Dieser Weg führte den Energydrink-Hersteller zu vier aufeinanderfolgenden Fahrertitel und vier Konstrukteurstitel. „Marko bestimmt bei Red Bull wie die Show läuft. Er ist das Gehirn hinter dem Erfolg der Bullen. Horner (Christian; Teamchef) hat schnell realisiert wie klug es ist ein gutes Verhältnis zu Marko zu haben, damit ihm nicht dasselbe Schicksal wie Berger droht“, sagte Supernova Teambesitzer David Sears. Das Leben im F1 Paddock wurde „sehr schwierig für Red Bull in letzter Zeit“, wie Marko es ausdrückt. Nachdem man die letzten Jahre dominiert hatte, konnte sich das österreichische Team nicht so gut auf die großen Reglementsänderungen einstellen, wie man gehofft hätte. Der „Doktor“, wie er von seinen Freunden genannt wird, hielt sich nicht zurück und teilte schnell in Richtung Mercedes Motorsport Boss Niki Lauda und F1 Chef Bernie Ecclestone aus.
Zeit um „Auf Wiedersehen“ zu sagen?
Laut dem Red Bull Motorsport Chef liegt die Hauptschuld bei Motorenhersteller Renault. „Uns werden ständig Versprechungen gemacht. ‚Nächstes Mal wird es besser, die Testresultate sind vielversprechend.‘ Wenn du aber einen Motorschaden nach 50 Kilometer hast, ist das unbegreifbar. Wir wollten einen Schritt vorwärts machen und sind stattdessen einen Schritt zurückgegangen. Die Lücke zu der Spitze ist beängstigend und nicht akzeptierbar.“ Nach vier
Jahren voller Erfolg, wo Red Bull und Marko voll des Lobes für Renault waren, ist der französische Motorenhersteller jetzt der Sündenbock. Nachdem Saisonauftakt in Australien, haben die Red Bull Bosse realisiert, dass sie weiter zurückgefallen sind und nun auch Ferrari und Williams vor ihnen liegt. Marko behauptete: „Der Renault Motor ist unfahrbar und hat ungefähr 100 PS weniger als der von Mercedes. Es ist kein Licht am Ende des Tunnels, da wir alle möglichen Sorten von Fehlern haben.“ Er ging noch weiter: „Mateschitz könnte seine Leidenschaft für die Formel 1 verlieren, wenn man sich nicht verbessern könnte. Das Reglement ist unverständlich, zu kompliziert und zu teuer. Wir haben die Ingenieure entscheiden lassen. Sie bringen die Formel 1 um!“. Marko hat mit den Aussagen nicht zum ersten Mal die Kritik des Paddocks auf sich gezogen. 2013 kritisierte er des Öfteren Fernando Alonso, Sebastian Vettel´s WM-Titel Konkurrenten. „Er ist mehr ein Politiker als ein Rennfahrer.“ Der Spanier zeigte Humor und antwortete: „In letzter Zeit überraschten mich einige Bemerkungen, aber ich kann den Sinn darin nicht verstehen. Einige Leute sagen, sie lesen solche Kommentare nicht, bevor sie hinzufügen, dass sie nicht davon beeinflusst werden. Sie lesen sie also doch, vielleicht in der Nacht.“. Am Ende derselben Saison sprach Marko über Mark Webber. „Er sei in einer Abwärtsspirale und sollte sich vielleicht eine neue Herausforderung suchen.“ Zu der Presse sagte er damals: „Im Vergleich zu Seb’s steigender Form, sieht es so aus als würde Mark’s Form abflachen.“ Einige Tage später gab der Australier seinen Abschied von Red Bull bekannt. „Seht her, auf diesem Level hat jeder seinen eigenen Plan und es ist seit einiger Zeit klar, dass ich nie Teil des Plans von Marko war.“ Webber war dies schon länger klar. Als es zum legendären Crash beim Türkei Grand Prix 2010 kam, als Webber seine Linie gehalten hat und Vettel ein aggressives Überholmanöver startete, stellte sich Marko hinter Vettel und kritisierte Webber hart.
Der Rückenwind dreht sich
Red Bull weht ein rauer Gegenwind der Öffentlichkeit ins Gesicht. Mercedes Motorsportchef Toto Wolff verlor bei einem Interview die Beherrschung: „Ich denke, man sollte verdammt noch mal nicht den Kopf einziehen, hart arbeiten und seine Probleme lösen. Es gibt da in Jerusalem eine Mauer, vor der du dich stellen kannst und klagen. Vielleicht sollten sie dahin gehen.“ Auch der amtierende Weltmeister Lewis Hamilton meldete sich zu Wort: „Es ist sehr interessant zu hören, sie haben vier Jahre den Sport dominiert.“ Vor der großen Reglementsänderung 2014 stand die Aerodynamik im Vordergrund, dabei entwickelte Red Bull oft in der Grauzone. Seitdem letztem Jahr spielt der Motor wieder eine wichtigere Rolle. Mercedes Chef Lauda hat die Diskussionen in seiner typischen Art zusammengefasst: „Die ganze Kritik kommt von Red Bull. Sie sind von ihrem Mist genervt, da er nicht funktioniert. Das Kräfteverhältnis hat sich in der Formel 1 schon immer über die Jahre verändert. Es ist die Aufgabe der Teams ihre Hausaufgaben zu machen und ihre Probleme zu lösen. Ferrari ist zurück auf dem Podium. Wieso sollte das schlecht sein für die Formel 1?“ Während Marko keine Gedanken über die Kommentare von Wolff verschwenden wird, finden Lauda’s womöglich Beachtung. „Meine Beziehung zu Niki war und ist gut. Ich habe kein Problem mit Leuten mit Klasse zu diskutieren.“, antwortete der 70 Jährige. Hoffentlich wird der Renault Boss von ihm als Mann mit Klasse angesehen, da die Problemlösung hinter verschlossenen Türen zwischen Renault und Red Bull dringend notwendig ist. Die Franzosen gaben in Malaysia bekannt, dass sie auch einen Ausstieg in Erwägung ziehen. Red Bull würde dann ohne Motor dastehen. Weder Mercedes, noch Ferrari wird einen ihrer größten Rivalen unterstützen.
Laufende Veränderungen
In den 1970er Jahren hatten die Ground-Effect Autos den Sport revolutioniert. In den 80er waren es die Turbos mit bis zu 1000 PS und in den 90er war die Traktionskontrolle der Schlüssel zum Erfolg. In den 2000er machte die High Tech – Elektronik und die Aerodynamik den Unterschied aus. 2009 überraschte Ross Brawn die Konkurrenz mit dem Doppeldiffusor. Jenson Button und Brawn GP holten sich beide WM Titel. „Formel 1 ist Motorsport auf dem höchsten Level. Um das höchste Level zu behalten muss es ständige Veränderung geben“, argumentierte Todt. Daher wurde beim letzten Strategiegruppen Meeting in Genf über mögliche Änderungen diskutiert. Ferrari stellte eine Designstudio vor, wie zukünftige Formel 1 Autos aussehen könnten. Der Prototyp wäre breiter, angetrieben von einem 1000 PS Motor, mit einem niedrigeren Heckflügel und breiteren Hinterreifen. Die Teams sind sich wie immer nicht einig. Eine Änderung kann frühestens 2017 erfolgen, wo auch der aktuelle Vertrag mit Pirelli ausläuft. Es wird eine der wichtigsten Entscheidung in der Formel 1 Geschichte sein. Ob dann auch noch Helmut Marko Teil der Formel 1 ist?
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