Die erste Saisonhälfte des F1 Comebacks für das Duo McLaren F1 und Honda war katastrophal. Folglich ist Honda F1-Boss Yasuhisa Arai unter schwerem Beschuss
Nach zehn von 19 Rennen der Saison 2015, hat McLaren erbärmliche 17 Punkte am Konto und liegt in der Teamwertung gerade einmal vor den chancenlosen Manor GP Piloten. Zur selben Zeit der Vorsaison hatte das Team aus Woking 96 Punkte, darunter zwei Podestplätze und rangelte mit mit Ferrari und Force India um P4 in der Hackordnung. Für ein Team, das nicht weniger als 182 GP Siege einfahren konnte, ist eine Saison mit P5 von Fernando Alonso beim Ungarn Grand Prix als bestem Resultat gelinde gesagt ein Schlag ins Gesicht. Ron Dennis Rennstall hat 20 WM Titel geholt und dementsprechend sind die Erwartungen hoch. Aber Hondas Hoffnungen vor Saisonbeginn waren noch höher. Der stolze japanische Autohersteller hat einen Ruf zu verteidigen, und der aktuelle Auftritt in der Formel 1 macht dies nicht gerade leicht. Kein Wunder, dass eine ganze Reihe von Direktoren in Tokio den Kopf von F1-Projekt Boss Yasuhisa Arai gefordert hat.
„Es war ein wirklich harter Start in unsere Formel 1 Rückkehr. Wir hatten eine Menge Probleme zu bewältigen, aber glücklicherweise sind die meisten jetzt überwunden. Wir sind sehr positiv für die zweite Hälfte der Saison“, erklärte ein sichtlich angeschlagener Arai bei der jüngsten Pressekonferenz vor dem Spa GP. „Der Sport hat sich immens verändert seit den McLaren-Honda „Glory Days“. Der aktuelle Stand der Technik ist wesentlich anspruchsvoller und es ist schwierig, einen guten Rennwagen hinzustellen. Wir wussten, dass es nicht einfach wird, aber wir konnten uns nicht vorstellen, dass es so schwer wird“, fügte er hinzu, im Versuch unbedingt ruhig zu erscheinen. Wenn allerdings ein Projektvorstand eine solche Erklärung an die Presse weitergibt, kann man sicher davon ausgehen, dass es intern brodelt. Starpilot Alonso heizte die Diskussionen weiter an: „Wir fahren wie in einer anderen Kategorie. Wenn alle spielend einfach an Dir vorbeifahren, siehst Du aus wie ein Amateur-Fahrer und das ist nicht gut. Wir sind 35 km/h hinter Ferrari auf den Geraden und müssen ständig Kraftstoff sparen. Wir sind nicht gerade super wettbewerbsfähig im Moment“, soll heißen „wir haben keine Chance und ich bin ziemlich sauer darüber“. Geschlaucht von anhaltenden Zuverlässigkeits- und Power Unit Problemen hatte McLaren Racing Director Eric Boullier eine harte Zeit den heißblütigen Alonso und auch den wesentlich vernünftigen Jenson Button unter Kontrolle zu halten. Bei den Winter-Tests absolvierte das Team gerade einmal 1.087 Meilen in 12 Tagen, während Konkurrenten wie Mercedes auf eine Laufleistung von über 11.000 km kamen. Es war klar, dass Hondas Paket nicht bereit war und noch deutlich mehr Arbeit benötigte um zu laufen, geschweige denn wettbewerbsfähig zu sein. „Ich hatte nicht erwartet was uns technologisch erwarten würde, aber ich habe vollstes Vertrauen in die Richtung, die wir mit unserer Power Unit eingeschlagen haben. Wir brauchten etwas Radikales, um gegen die Top Teams antreten zu können. Und sie zu schlagen, ist unser Ziel“, legt Arai den ursprünglichen Plan offen. Bedenkt man, dass das „die Top Teams herausfordernde Aggregat“ bei elf von 20 möglichen Gelegenheiten in die Luft ging, und das, obwohl es deutlich weniger Power bietet als die Konkurrenz von Mercedes oder Ferrari, ist Arais Plan einfach geplatzt. Und Dennis ist sichtlich müde noch länger zu warten.
Auf ihre große Erfahrung und Expertise in der Motorenfertigung vertrauend, hat Honda entschieden, beim Comeback einen eigenen Weg zu gehen. Und genau das hat sich als Fehler herausgestellt. Anstatt von den bestehenden Rivalen Mercedes, Ferrari oder Renault kluge Köpfe mit einem besseren Gehalt oder Posten abzuwerben, begann Honda sein Comeback Abenteuer bei null. Die stolzen Japaner wollten den Europäischen „Langnasen“ beweisen, dass sie sehr wohl in der Lage sind, das Beste zu produzieren. „Renault, Mercedes und Ferrari haben ihre Ressourcen auf die neue Hybrid-Technologie konzentriert, aber diese Jungs kennen auch die aktuelle F1-Technologie auswendig „, kritisiert Boullier. Hondas jüngste Erfahrungen in der Königsklasse datieren in die Saison 2008 zurück, und damals unterstützte man nur Hinterbänkler. „Die meisten Menschen bei Honda in Sakura hatten keine Ahnung von dem, was die Formel 1 heute fährt. Damit sie mussten erst lernen, was wir benutzten, bevor sie damit beginnen konnten das zu entwickeln, was wir jetzt verwenden sollen.“ Darüber hinaus ist die strikte Begrenzung der Testtage auch ein Dämpfer für Hondas Entwicklungsprogram, denn gerade Zuverlässigkeit kann am besten beim Fahren gelöst werden. Aber Boulliers Kritik lässt die Leute bei Honda völlig kalt. „Es ist eine nette Idee, aber es wäre wirklich schwierig einen Ingenieur von Ferrari, Mercedes oder einem anderen Team zu uns zu holen. Es wäre schwierig für sie, mit uns zu arbeiten, weil unsere Kultur ganz anders ist. Es ist einfach nicht die Art, wie wir arbeiten“ entgegnete Arai. In Anbetracht der peinlichen Vorstellungen bislang, würde eine Veränderung dieser „Art“, den Japanern wohl gut tun.
In Australien war der McLaren-Honda etwa drei Sekunden langsamer als die Spitze und konnte lediglich mit dem gerade fertig gewordenen Force India mithalten. Seither ist McLaren im Starterfeld nicht wirklich viel weiter nach vorne gekommen, aber der Dienstwagen von Button und Alonso ist sichtlich verbessert was Tempo und Stabilität angeht. Alonsos fünften Platz in Budapest war ein erstes Licht am Ende des Tunnels, aber Spa war wieder ein Rückschlag. Monza muss nun zeigen, ob Ungarn nur eine Eintagsfliege war oder nicht. Die beiden Rennsport-Giganten schlossen sich für die Saison 2015 wieder zusammen und hofften die Dominanz ihrer ersten Zusammenarbeit zwischen 1988 und 1992 replizieren zu können. Damals gewannen Ayrton Senna und Alain Prost 15 der 16 Rennen in der Saison 1988. Vier Jahre an Wertungs-Doppeln konnten erst Nigel Mansell und Williams-Renault 1992 unterbinden. „Man kann die 1980s nicht mit heute vergleichen. Damals kam Honda nach fünf Jahren in der Formel 1 zu McLaren. Diesmal sind sie zwar ebenso engagiert, aber sie begannen erst vor zwei Jahren außerhalb der Serie mit den Vorbereitungen. Das ist natürlich nicht genug um sofort wettbewerbsfähig zu sein“ so Boullier. Nichtsdestotrotz sind Arai und seine Crew zuversichtlich, die richtigen Schritte gesetzt zu haben: „Der Hungaroring war ein kleiner Wendepunkt für uns. Unsere Ingenieure arbeiteten sehr hart, optimieren die Leistung auf der Strecke, und verbessern die Fahreigenschaften für die beiden Fahrer. In die zweite Hälfte der Saison zu gehen, mit dem Wissen, dass wir Fortschritte machen, ist beruhigend.“ Und Arai braucht jetzt alle Selbstbestätigung, die er bekommen kann, denn der Druck auf ihm ist enorm. „Ich denke, dass Hondas Methode der Entwicklung sich stark von der Formel 1 und McLaren unterscheidet. Natürlich lastet großer Druck auf meinen Schultern – vor allem von den Fans, dem Honda Vorstand und meinen Kollegen – aber das ist völlig normal. Ich glaube, ich habe das Zeug dieses Projekt zum Erfolg zu führen. Aber ich kann nicht über meine eigene Zukunft entscheiden, genauso wenig wie das die Medien oder die McLaren Vorstandsmitglieder können. Ich hoffe, dass ich weiterhin dieses Projekt leiten darf, und ich denke, dass mir unsere Vorstandsmitglieder nachdrücklich vertrauen.“
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