Der gedämpfte Sieg

Charles Leclerc feiert in Spa seinen ersten Karriereerfolg, gewinnt vor Hamilton und Bottas – das Rennen wurde aber vom tödlichen Unfall Anthoine Huberts überschattet

„Dieser Sieg ist für Anthoine“, sagte ein sichtlich betroffener Charles Leclerc am Boxenfunk nach der Zieldurchfahrt in Belgien, wo er den ersten Formel 1 Triumph seiner Karriere holte. Der gute Freund des tagszuvor bei einem brutalen Unfall in der Formel 2 verstorbenen Piloten Anthoine Hubert hatte gemischte Gefühle, obwohl der Sieg absolut verdient war. Leclerc war schon in Bahrain der klar beste Mann, doch dort stoppen ihn noch Elektronikprobleme. Diesmal konnte keiner den Monegassen aufhalten. „Natürlich ist es ein Traum, der in Erfüllung ging. Aber es ist ein schwieriges Wochenende und es ist nicht leicht mit so einer Situation umzugehen. Eines meiner ersten Rennen fuhr ich gegen Anthoine. Glücklicherweise konnte ich meine Reifen besser managen als meine Gegner und so gewinnen“, sagte Leclerc.

Zufriedenheit bei Silber

Lewis Hamilton und Valtteri Bottas komplettierten das Stockerl auf der Achterbahn in den Ardennen. „Ich habe absolut alles gegeben. Auf der Geraden war die Ferraris eindeutig schneller, aber hinten hinaus haben mir 2-3 Runden gefehlt und dann hätte ich ihn vielleicht so gar nicht abfangen können“, so der Weltm eister. „Ferrari war sehr stark auf den Geradeausstücken. Gegen Ende hin wurden wir immer besser, aber Platz 3 ist schon OK“, gab Bottas zu Protokoll, der am meisten über seine Vertragsverlängerung froh ist. 65 Zähler liegt Hamilton nun vor seinem finnischen Teamkollegen in der Weltmeisterschaft bei neun ausstehenden Rennen – der Käse scheint gegessen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem heutigen Ergebnis. Unser Ziel war klar zumindest einen Ferrari zu schlagen und das ist uns gelungen. Auf die WM-Wertung schaue ich nicht wirklich, denn wenn wir in jedem Rennen stark sind, wird sich das auch in der Gesamtwertung niederschlagen“, so der Brite, der auch kommende Woche in Monza „eine ähnliche Situation“ erwartet.

Vettel geopfert

Gegessen scheint auch die „Einserfrage“ bei Ferrari, denn erstmals wurde Sebastian Vettel taktisch für seinen jungen Stallgefährten Leclerc geopfert. Der Deutsche wurde sehr früh an die Box geholt und konnte somit hinten raus nicht mehr mit den Silberpfeilen mithalten. Dadurch wusste man aber bei den Roten genau wie sich die härtere Reifenmischung verhalten würde und konnte so die Strategie perfekt auf den führenden Monegassen abstimmen. Dementsprechend beklagte sich Vettel am Funk wieso man ihn denn so früh reingerufen hätte und dass er so keine Chance gegen die Mercedes haben würde. Unterstrichen wurde die Entscheidung am Ferrari Kommandostand wenige Runden später als man Vettel offen anwies, Leclerc nach dessen Stopp ohne Gegenwehr vorbei zu lassen. Man darf gespannt sein wie Ferrari das beim Heimspiel kommendes Wochenende im Autodrom von Monza vor den Tifosi handhaben wird.

Mitfavorit früh raus

Fanliebling Max Verstappen schied bereits in Runde 1 aus. Der Niederländer erwischte einen grottenschlechten Start und kam so in Bedrängnis. Er zog in der La Source Haarnadel ganz nach innen, wurde aber dann von Kimi Räikkönen eingeklemmt. Dabei erlitt sein Red Bull Bolide einen Aufhängungsschaden mit dem Verstappen dann am Ausgang von Eau Rouge in die Bande krachte. „Der Start war nicht optimal und dann war in La Source einfach kein Platz mehr da. Es war ein Rennunfall, der natürlich schade ist, vor allem auch für die vielen holländischen Fans. Aber durch die gestrigen Ereignisse (Anm. tödlicher Unfall von Formel 2 Pilot Anthoine Hubert) ist das eigentlich egal“, so der „Bulle“. Neo-Teamkollege Alex Albon kämpfte sich sensationell vom Endes des Feldes bis auf Platz 5 nach vorne.

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