Der Frauenfaktor in der Formel 1

Die meisten Leute werden sich gar nicht mehr erinnern, wann die Diskussion um Frauen in der Formel 1 begonnen hat. Jetzt ist die Zeit gekommen um zu handeln.

Obwohl Maria Teresa De Filippis bereits in den späten 1950er Jahren an Formel 1 Rennen teilnahm, hieß es lange Zeit, dass Frauen den körperlichen Anforderungen eines Formel 1 Rennens nicht gewachsen wären. Motorsport Legenden wie Niki Lauda, Emerson Fittipaldi oder Helmut Marko haben in den letzten Monaten öfters erklärt, dass die physischen Anforderungen heute um einiges niedriger sind als in ihren Tagen.

Motor Racing - Lotus F1 Team Factory Visit - Enstone, EnglandFotocredit: Lotus F1 Team

Das weibliche Geschlecht holt auf
Die Tage an denen Frauen zu wenig Erfahrung oder kein technisches Verständnis mitbrachten sind lange vorbei. Heute sind Frauen in allen möglichen Motorsportserien rund um den Globus vertreten. Danica Patrick (IndyCar), Michela Cerruti (AutoGP), Katherine Legge (Formula Atlantic), Beitske Visser (ADAC Formula Masters), Chelsea Angelo (F3 Australia) und Abbie Eaton (Mazda MX5 Cup) haben bewiesen, dass Frauen auch Rennen gewinnen können. In den 2000er Jahren nahmen einige Frauen an Testtagen in der Formel 1 teil. IndyCar Fahrerin Sarah Fisher fuhr 2002 bei einer Demonstrationsfahrt vor dem US Grand Prix einen McLaren. 2005 testete Legge einen Minardi auf dem Vallelunga Circuit. 2012 bekam Susie Wolff einen Vertrag bei Williams als Entwicklungs- und Testfahrerin, genauso wie María de Villota bei Marussia. Sauber holte 2014 die IndyCar Fahrerin Simona de Silvestro an Board. Die letzte Frau, die es in die Formel 1 geschafft hat, war Carmen Jordá. Sie bekam heuer einen Platz als Entwicklungsfahrerin bei Lotus.

_76359654_wolff7654_apFotocredit: Williams F1 Team

Überall Heuchelei
Wenn es jedoch ernst wird, machen die Teams oft einen Rückzieher. Das neueste Beispiel brachte Williams. Als sich Williams Fahrer Valtteri Bottas in der Qualifying Session in Australien an seinem Rücken verletzte, wäre wieder mal eine Chance für eine Frau da gewesen. In Melbourne war jedoch kein Fahrerwechsel nachdem Qualifying mehr möglich. Wäre Bottas bis Malaysia nicht fit geworden, hätte Susie Wolff einspringen können. Anstatt Wolff als Ersatzfahrerin zu nominieren, heuerte Williams in einer Nacht- und Nebelaktion Adrian Sutil an. Er wurde noch am Mittwoch nach Malaysia eingeflogen. Am Donnerstag bekam Bottas die Freigabe der FIA. Carmen Jordá ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Formel 1 Frauen ausnützt. Lotus hat die hübsche Spanierin als Entwicklungsfahrerin verpflichtet. Neben Modelqualitäten bringt sie auch einiges an Geld mit. De Silvestro ereilte bei Sauber ein ähnliches Schicksal. Im Februar 2014 wurde bekanntgegeben, dass die Schweizerin „Affiliated Driver“ wird. Sie sollte ein einjähriges Trainingsprogramm absolvieren, mit dem Ziel die Superlizenz zu erhalten und 2015 einen Platz als Einsatzfahrerin in der Formel 1 zu bekommen. De Silvestro bewältigte im April 2014 einen Test in Fiorano, wobei sie 112 Runden drehen konnte. Im Oktober 2014 erklärte Sauber, dass Simonas Fahrprogramm aus finanziellen Gründen ihrerseits nicht fortgesetzt werden kann. Eine weitere hoffnungsvolle Fahrerin ging somit der Formel 1 verloren. Simona wurde 2010 beim Indy 500 zum „Rookie of the Year“ gewählt und sie war auch die erste Frau die auf einem Stadtkurs in der IndyCar Series eine Podiumsplatzierung erreichte. So lange weibliche Fahrer nur als Werbegag benutzt werden und keine Absicht besteht sie wirklich an Rennen teilnehmen zu lassen, werden es Frauen auch in Zukunft schwer haben ernst genommen zu werden. Visser, Tatiana Calderon und Samin Gomez sind nur ein paar Namen auf die man in der Zukunft achten sollte.

De Silvestro Fotocredit: Sauber Motorsport AG

Marketing Rohdiamanten
Die heutige Formel 1 wird oft kritisiert zu wenig echte Charaktere zu haben, wie es früher Ayrton Senna, Niki Lauda, James Hunt oder Nigel Mansell waren. Jetzt muss man sich nur vorstellen, was eine erfolgreiche Frau für die Formel 1 und für die TV Quoten bedeuten würde. Danica Patrick hat über Jahre für höhere Zuschauerzahlen in der IndyCar Series und bei der NASCAR gesorgt. Sie ist nicht nur die Anna Kournikova des Motorsports, welche hervorragend aussah, aber nie einen großen Tennis Titel gewann, Patrick zeigt auch auf der Rennstrecke sehr gute Leistungen. Und sie ist sicherlich nicht die einzige dort draußen. Es ist schwer zu verstehen, wieso nicht mehr Frauen von Sponsoren unterstützt werden. Anstatt sie eine eigene Weltmeisterschaft austragen zu lassen und sie ins Rahmenprogramm der Formel 1 zu stecken, wie es Bernie Ecclestone kürzlich vorgeschlagen hat, sollte man ihnen eine Chance geben, sich in der Formel 1 zu beweisen. Im Zuge der lang notwendigen Budgetreduzierung sollten die Kosten für High Tech Tools reduziert werden und stattdessen ein Teil davon in zusätzliche Testtage gesteckt werden, wobei die Teams zwei Fahrer einsetzen dürfen, einen männlichen und einen weiblichen Fahrer. So würden mehr talentierte Frauen die Chance bekommen sich in der Formel 1 zu beweisen und vielleicht eines Tages gegen Lewis Hamilton, Sebastian Vettel oder Fernando Alonso auf der Rennstrecke kämpfen.

 

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