Jenson Button hat seinen Vertrag bei McLaren-Honda nun doch um eine weitere Saison verlängert. Formelaustria.at sprach mit ihm nach diesem Anlass.
Jenson, zunächst Gratulation zur Verlängerung. Die ganze F1-Fangemeinde freut sich mit Dir. Wie geht es Dir nun?
Natürlich habe ich in den letzten Wochen darüber nachgedacht, wo mein Weg hinführt. Aber ich bin seit 2010 bei McLaren und kenne Ron (Dennis) inzwischen sehr gut. Wir hatten einige gute Gespräche in denen er mich überzeugt hat, dass er das Team aus dieser Krise führen wird. Daher werden wir gemeinsam weitermachen und diese Entscheidung fühlt sich absolut richtig an.
Als Routinier hast Du zum Glück inzwischen eine gewisse Ruhe. Hilft die bei so einem Projekt?
Absolut. Ich bin schon lange dabei und die Formel 1 hat sich währenddessen immer wieder verändert. Neue Dinge brauchen eben Zeit. Und dass McLaren und Honda wissen, was sie tun, zeigen ihre Erfolge der letzten Jahrzehnte.
Apropos Jahrzehnte – welches war Dein Lieblingsabschnitt in der Formel 1?
Eindeutig die Formel 1 vor rund zehn Jahren. Wir hatten V10 Motoren mit bis zu 1.000 PS, den Reifenkrieg, das Nachtanken und massenhaft Downforce. Man konnte nicht mal die Kinder an die Strecke mitnehmen, weil es so unfassbar laut war. Das war damals ein richtiges Spektakel.
Viele Ex-Piloten behaupten, ein Formel 1 Wagen von heute sei viel einfacher zu fahren. Stimmt das?
Vom physischen Standpunkt her ja. Es ist körperlich nicht mehr so anstrengend wie vor zehn Jahren. Aber die Wagen sind technisch viel komplexer. Daher ist der mentale Stress deutlich höher. Du musst auf so viel achten, so viel einstellen. Ich mag das, weil ich gerne neue Dinge lerne. Und in der Formel 1 gehört das zum Tagesgeschäft.
Es heißt immer, verheiratete Fahrer sind langsamer. Wie hat Dich die Hochzeit beeinflusst?
Naja, besonders schnell bin ich heuer nicht (lacht). Aber im Ernst – Jessies Unterstützung bedeutet mir sehr viel, gerade in schwierigen Zeiten ist sie besonders wichtig. Man kann Freud und Leid teilen.
Wenn Ihr shoppen geht, wer fährt dann?
Ich. Sie kann natürlich fahren, aber ich bin ein grauenvoller Beifahrer. Ehrlich. Um uns das zu ersparen, fahre ich lieber selbst (lacht).
Wie kommst Du mit Fernando Alonso zurecht? Er gilt als dominanter Teamkollege.
Ich habe großen Respekt vor ihm, denn er ist ein wahrer Champion und hat das in vielen Klassen bewiesen, in denen wir beide unterwegs waren. Er ist ein sehr intelligenter Fahrer und ich mag es, wie er an die Sache herangeht. Es geht ihm nicht um eine schnelle Runde, sondern immer um das große Ganze. Wir arbeiten gut zusammen, aber es gibt nichts, wovor ich mich fürchten müsste. Er hat sehr viel Talent und ist ein guter Entwickler. Ich aber auch. Mir waren starke Teamkollegen immer lieber und ich hatte einige wie Jacques (Villeneuve), Rubens (Barrichello) oder Lewis (Hamilton). Ich wollte immer mit Fernando in einem Team sein, daher bin ich vollauf zufrieden.
Wann werdet Ihr endlich konkurrenzfähig sein?
Ich sehe das ein bisschen wie einen Triathlon. Du weißt, Du bekommst nur so viel raus, wie Du investierst. Alle Beteiligten investieren enorm viel. Aber die Partnerschaft ist noch am Anfang und unsere Saison ist sehr schwierig. Wir werden vorne mitfighten, aber wann, kann man im Moment einfach nicht genau sagen.
Dein Rennchef Eric Boullier hat gesagt, Ihr hättet die Aerodynamik verbessert. Ist der Wagen nun einfacher zu lenken?
Ja, schon. Zu Beginn der Wintertests hatten wir so viel Untersteuern, dass ich mir nicht sicher war, ob ich überhaupt einen Frontflügel habe (lacht). Wir haben hart daran gearbeitet und nun ist der Wagen deutlich stabiler. Wir spielen jedes Wochenende am Setup herum und lernen den Wagen immer besser kennen. Aber unser wirkliches Problem ist, dass wir einfach nicht schnell genug sind.
Wie ist also der Schlachtplan für die restliche Saison?
Wir müssen heuer noch ein, zwei gute Ergebnisse einfahren und möglichst viele Daten für kommendes Jahr sammeln.
Apropos kommendes Jahr. Wo werdet Ihr dann sein?
Diese Saison war sehr schwer, aber wir wissen, was wir verbessern müssen. Und gemeinsam mit Honda werden wir daran arbeiten, dass 2016 kein zweites 2015 wird.
Michelin hat sich als neuer Reifenlieferant für 2017 ins Gespräch gebracht. Wie siehst Du das?
Für mich waren die Gummis von Michelin immer leichter zu verstehen. Du konntest das Abbauen besser kontrollieren, was aber auch damit zu tun hat, dass Pirelli viel zu sehr gesagt bekommt, was ihre Reifen alles machen sollen. Sie machen, so gesehen, also einen guten Job. Aber ich hätte lieber einen Reifenkrieg. Als wir das 2004 hatten, war das phänomenal. Wir wurden über die Saison weg zwei Sekunden schneller und Du musstest noch viel mehr auf Deine Fitness schauen um die 5G Querbeschleunigung über die Renndistanz auszuhalten.
Noch eine letzte Frage zu 2015. Kann irgendjemand Lewis Hamilton noch stoppen?
Nein.
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