Braucht Amerika wirklich einen amerikanischen Formel 1-Fahrer ?

formel1-start-dw-sp-260341g-1946252d9f97378898.jpgNur zwei Fahrer dürften wirklich die Voraussetzungen für die Formel 1 haben und das sind nicht diejenigen, welche man vielleicht vermuten würde…

 

Soviel ist sicher: NASCAR-Teambesitzer Gene Haas möchte in seinem geplanten Formel 1-Team einen jungen amerikanischen Fahrer, gepaart mit einem „Veteranen“, der Strecken und Autos kennt. Das Team von Gene Haas sollte 2015 sein Debut feiern.

 

Kein amerikanischer Fahrer in Sicht ?

Es wird sicherlich nicht schwer werden, einen routinierten Fahrer zu verpflichten. Ein Dutzend Namen sind im Gespräch. Schwieriger gestaltet sich die Suche nach einem geeigneten Amerikaner.

Drei Hauptmerkmale sind dabei zu beachten:

  1. Er oder sie sollten Amerikaner sein.
  2. Er oder sie sollten den amerikanischen Fans gut bekannt sein.
  3. Er oder sie sollten bei Fans und Fahrerkollegen respektiert werden.

 

Scott Speed einziger Amerikaner seit 1993

Seit dem Formel 1-Auftritt von Michael Andretti im Jahre 1993 steuerte nur Scott Speed in den Jahren 2006 und 2007 einen Formel 1-Rennwagen. Speed erfüllt aber nur Punkt eins aufgrund seiner Nationalität. Er fuhr nur im Jahre 2002 die US-Serien Formula Dodge und Star Mazda, ohne sie zu gewinnen. Er wechselte rasch nach Europa, da er in der Formel 1 zu fahren beabsichtigte.

Speed kämpfte sich durch die Formel Renault und die A1 GP, bevor er 2006 im neuen Team von Toro Rosso sein Formel 1-Cockpit erhielt. Da Speed jedoch in den nächsten Jahren wenige Rennen in den USA fuhr, bekam er wenig Aufmerksamkeit. Er hatte auch keine millionenschwere Familie zur Unterstützung hinter sich. Die Formel 1 genießt auch in Europa die meiste Aufmerksamkeit, sodass er sich eben auf Übersee konzentrierte.

Aus diesem Grund fahren auch Alexander Rossi, Conor Daly und Michael Lewis Rennen in Europa. Hier machen sie sich auch einen Namen, aber keiner hat eine starke Fangemeinde in der Heimat.

Unvergessener Alex Zanardi

Der erfolgreichste amerikanische Fahrer in vergangenen Jahren war Alex Zanardi, der 1999 auf Williams wieder in der Formel 1 fuhr, nachdem er vorher zwei CART-Meisterschaften gewonnen hatte. Er ist zwar kein amerikanischer Staatsbürger, trifft aber zwei andere Punkte: er war bei den amerikanischen Rennsportfans bekannt, beliebt und respektiert. Seine Persönlichkeit, sein waghalsiger Fahrstil und seine Sieges-Doughnuts prägten sich im Kopf der amerikanischen Rennsportfans ein. Unvergessen bleibt sein Überholmanöver gegen Bryan Herta bei seinem Sieg am Mazda Raceway in Laguna Seca im Jahre 1996. Seiner Rückkehr in die Formel 1 schenkten mehr Amerikaner ihre Aufmerksamkeit, als sie es bei Scott Speed je taten.

 

Wer ist nun der passende Pilot, der alle drei Merkmale erfüllt ?

„Ein Pilot oder eine Pilotin, die in mein Team passt, muss auch noch eine weitere Fähigkeit haben“, erklärt Haas gegenüber motorsport.com. „Damit mein Team wie geplant nach fünf Jahren in der Gewinnzone ist, muss er oder sie auch noch für Sponsoren außerhalb meiner eigenen Firma attraktiv sein.“

Eine offensichtliche Möglichkeit wäre Danica Patrick. Sie ist Amerikanerin, bekannt und beliebt, vielleicht als Fahrerin nicht ganz so anerkannt, aber sicher fähig, Sponsoren für das Team von Gene Haas zu begeistern. Trotz ihres Talents ist sie aber eher kein Talent für die Formel 1 und mit 32 Jahren etwas zu alt. Sie ist möglicherweise auch zu reich und zu bequem, um sich in eine neue Serie zu wagen.

Dies bringt einige gut bekannte NASCAR-Fahrer auf den Plan wie zum Beispiel Tony Stewart, die Busch-Brüder, Jimmy Johnson oder Jeff Gordon. Ebenso ist auch der Stichtag für Indy Car Stars wie Marco Andretti und Graham Rahal vorbei, ehemals heiße Kandidaten auf ein Formel 1-Cockpit, aber nun reich und satt.

Dies könnte zwei Fahrer begünstigen:

Fahrer eins: Kyle Larson

Fahrer zwei: Josef Newgarden

Kyle Larson

Der 21-jährige Larson ist in Sacramento geboren und halber Japaner, wodurch er global vermarktbar ist. Er ist bei den Fans sehr bekannt und respektiert und sehr dafür geeignet, Sponsoren für das Haas-Team heranzuziehen. Er besitzt auch Erfahrung in offenen Rennwagen,scheint sehr talentiert zu sein und hat das nötige Temperament. Er dürfte aktuell derjenige amerikanische Fahrer sein, der die amerikanischen Fans am ehesten für die Formel 1 begeistern kann.

Natürlich gibt es auch bei ihm Probleme. Er ist beim NASCAR-Team von Chip Ganassi unter Vertrag und schon auf dem Weg, den Reich-und-Bequem-Status zu erreichen. Es erscheint fraglich, ob dies nicht zu einem Verlust der Motivation führen wird, überhaupt ein Formel 1-Cockpit anzustreben. Dies ändert aber trotzdem nichts daran, dass die „Aktie“ Kyle Larson heiß ist.

Alternative Newgarden

Eine Alternative könnte der 23-jährige Indy Car-Fahrer Josef Nicolai Newgarden sein. Er stammt aus Hendersonville nahe Nashville ab und wurde Sportkamerad von Shelby Blackstock, dem Sohn von Country-Legende Reba McEntire. Es gibt nichts amerikanischeres als Reba, aber Newgarden ?

Wie auch immer, Newgarden hat sich in den amerikanischen und europäischen Nachwuchsserien bewährt. Er holt jedes PS aus dem Honda-Dallara des chronisch unterfinanzierten Fisher Hartman Racing-Teams. Während er 2012 nur einen Podiumsplatz erreichte, schaffte er es 2013 zehnmal in die Top-Ten und scheint mit jedem Rennen besser zu werden. Er ist bei den amerikanischen Motorsportfans bekannt, respektiert und sollte auch für Sponsoren interessant sein.

 

 

Posted in ,

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar abgeben zu können.