Binder will in Le Mans ProAm Klasse aufs Stockerl

Bereits zum vierten Mal in Folge startet Rene Binder kommenden Samstag in den 24-Stunden-Klassiker von Le Mans. Mit seinem Team Algarve Pro Racing peilt der 30jährige Tiroler eine Podiumsplatzierung in der Pro-Am-Klasse der LMP2 Wertung an

Rene, Du hast zuletzt aufgrund einer Mittelohrentzündung nicht trainieren können. Bist Du dennoch für das Saisonhighlight?

Vor einer Woche hätte ich noch gar nicht fahren können, aber bis es dann wirklich losgeht sollte ich doch fit sein. Der Fitnessfaktor spielt neben dem Materialfaktor sicher die größte Rolle bei diesem Rennen. Es ist eines der anstrengendsten Rennen, das ich je gefahren bin. Man kann das nur schwer beschreiben. Es ist die permanente Belastung, in jedem Moment konzentriert sein zu müssen, ohne Fehler durch den Verkehr und durch die Boxenstopps zu kommen, aber auch als Team wie eine Einheit zu funktionieren.

Die Hypercars warten noch auf das Comeback der Hersteller im nächsten Jahr. Also wird die LMP2 Klasse ihnen wohl wieder die Show stehlen – und Du mittendrin!

Das sehe ich auch so. Auch wenn die Toyotas eingebremst wurden, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie beim wichtigsten Rennen des Jahres in Bedrängnis kommen. Ganz anders ist die Situation bei uns in der LMP2: Nachdem alle Teams mit dem gleichen Material arbeiten müssen, wird das Rennen entsprechend hart umkämpft sein. Das heißt, den Unterschied machen die Renningenieure, Fahrer und Mechaniker.

Bei einem Rekordstarterfeld von 62 Fahrzeugen werden allein 27 Autos in der LMP2 Klasse vertreten sein, davon 8 in der Pro-Am-Wertung…

In dieser letztgenannten Wertung sind neben zwei Profifahrern auch ein Amateur im Einsatz. Bei Algarve Pro Racing ist das unser Amerikaner, Steven Thomas, der sich seit Saisonbeginn schon enorm gesteigert hat. Auch wenn Le Mans Neuland für ihn ist, möchten wir in dieser Pro-Am-Wertung ganz vorne mit dabei sein. Ich hoffe, dass wir die elektronischen Probleme vom Vortest endgültig hinter uns lassen können.

In der Startliste werden wieder etliche prominente Namen geführt, die man aus der Formel 1, der DTM, der Rallye-WM und sogar aus Hollywood-Filmen kennt. Bekommt man das als Fahrer mit?

Wenig. Mir fällt das höchstens auf, wenn ich die Zeitlisten studiere. Da sieht man dann, dass es in unserem Sport einfach viele gute Fahrer gibt und dass prominente Fahrer nicht automatisch schneller sein müssen.

Apropos Fahrer – von den 186 Piloten haben 40 einen französischen Pass, aber nur drei einen österreichischen…

Ja, leider. Der Hauptgrund liegt aus meiner Sicht in unserem fehlenden Nachwuchssystem. Während wir im Fußball inzwischen eine der besten Nachwuchsakademien haben, passiert im österreichischen Motorsport schon seit Jahren nichts mehr. Dabei bin ich mir sicher, dass es auch bei uns Talente gibt, die es mit entsprechender Förderung bis in die Formel 1 oder nach Le Mans schaffen könnten. Man kann nur hoffen, dass sich da in den nächsten Jahren einmal etwas ändert!

Du hast Dich nach zehn Jahren Formelsport bis in die Indycar Serie gearbeitet und nun im Langstreckensport etabliert. Was hast Du aus diesem Wettbewerb gelernt?

Zwei Dinge: Dass es viele Fahrer gibt, die mit konkurrenzfähigem Material Erfolg haben können. Und zweitens, dass man sich auch selbst im Vergleich zu prominenten Topfahrern einiges zutrauen darf, wenn man unter ähnlichen technischen Voraussetzungen antreten kann. Das habe ich bei mir vor allem in den beiden letzten Jahren gesehen, in denen ich im Team als gleichwertige Nummer 1 behandelt wurde. Unser Sport ist einfach sehr komplex, aber wenn man einmal die entscheidenden Puzzleteile beisammen hat, dann beginnen die Dinge auch zu laufen.

 

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