Berger: „Ich bin jeden Tag zufrieden.“

Anlässlich seines 65sten Geburtstags war Gerhard Berger zu Gast bei den Kollegen von ServusTV, diesmal jedoch nicht im altbekannten Hangar 7, sondern in seiner Tiroler Heimat beim Stanglwirt.

„Prioritäten ändern sich. Ich habe 30 Jahre in Monaco gelebt, es war eine gute Zeit. Jetzt bin ich zurück in Tirol, wo ich aufgewachsen bin und ich würde nie mehr woanders hingehen.“, freut sich Berger, zurück in seiner Heimat zu sein. „Wenn du in Tirol aufwächst, stehst du mit zwei Jahren auf den Skiern. Das ist ein Riesenspaß, aber die Leidenschaft ist Motorsport. Wir hatte die Verbotsklausel fürs Skifahren. Ich habe aber nie daran gedacht, das einzuhalten. Es war ein Teil meines Trainings. Im Winter in Tirol zu sein und nicht Ski zu fahren, funktioniert ja gar nicht.“

Trotz kleiner Wehwehchen, die er eher dem Altern als dem Rennsport zuschreibt, würde Berger seinem Leben auf einer Skala von 1-10 eine klare 9 zuordnen. Eine Zehn könnte es vielleicht werden, wenn die Hochzeit mit seiner zweiten Frau über die Bühne gebracht ist. „Es wird keine große Feier, sondern nur im kleinen Kreis und dann eine Woche Afrika mit demselben Teil der Familie. Ich hatte die Hoffnung, dass da noch einmal die Familie zusammentrifft. Ich lasse das auf mich zukommen. Es ist immer noch ein schwieriges Verhältnis. Die Hoffnung war, dass die Kinder die Dinge mit dem Alter anders sehen. Das ist leider nicht so eingetreten,“ verrät der Jubilar.

Auch ein Gerhard Berger stand in seinem Leben vor Herausforderungen und durchlebte schwierige Zeiten, doch „die vergesse ich. Die Schönen rücken in den Vordergrund. Ich muss mich schon genau erinnern, dass ich die schlechten Zeiten rausklaube. Ich bin sehr zufrieden, wie mein Leben gelaufen ist. Es war traumhaft. Aber auch die Zeit im Rennsport.“

„Auch das Draufgängerische ist toll, aber man muss es auch überleben. Das war bei mir manchmal ganz knapp. Ich muss dreifach, vierfach dankbar sein. Ich habe eine Zeit überlebt, die fast nicht zu überleben war. Nicht nur im Rennsport, sondern auch auf der Straße. Ich bin immer irgendwie auf die Sonnenseite gefallen. Wenn ich dankbar sein muss, dann dass bei mir nie was passiert ist.“ Doch, der Tiroler hat noch etwas, wofür er dankbar sein kann, denn „ohne Helmut Marko würde ich heute nicht hier sitzen. Meine Karriere war fast zu Ende, als ich ihn kennengelernt habe. Ich war froh, dass er sich meiner angenommen hat. Er hat mir die Augen geöffnet, was Profirennsport ist. Einer meiner größten Fehler war es, diesen Weg zu verlassen. Es haben sich Gruppen gebildet, die mir gesagt haben, wie toll ich nicht bin. Helmut war trotzdem immer unangenehm. Das war für mich als junger Sportler aber wichtig. Er wäre der perfekte Mann für die Begleitung der kompletten Karriere gewesen.“, meint Berger. Nun könnte sein Sohn in seine Fußstapfen treten und aus den Fehlern seines Vaters lernen.

„Ihm könnte mit Dr. Helmut Marko nichts Besseres passieren.“, ist sich Berger sicher. „Als Vater bin ich verpflichtet, dann einen Schritt zurückzumachen. Man muss ihn früh reifen lassen. Das war bei mir anders. Er muss die Ernsthaftigkeit zu Themen früh bekommen. Jetzt kann man noch nicht sagen, wo es hingehen wird. Es ist einfach schön, mit ihm eine Verbindung zu haben, was meine Leidenschaft ist. Alles andere wird sich später ergeben. Wenn Helmut übernimmt, ist es nicht gelaufen, aber es ist ein Zeichen, dass was dahintersteckt.“

„Wenn man jung ist, hat man 10.000 Wünsche und stellt sich einige Dinge vor. Mit 65 ist die Gesundheit und die Zeit das Wesentliche.“, so der zehnfache Grand Prix Sieger. „Das klingt abgedroschen, aber mit dem Alter spürt man, dass es ein Ende gibt. Zeit bringt nur was, wenn man gesund ist. Die Zeit vor allem auf der Kartbahn genieße ich, das ist für mich Back to the Roots. Dann gehe ich gerne zu Rennen und treffe alte Freunde und sonst bin ich wieder sehr gerne hier in Tirol. Egal ob im Sommer oder im Winter bei Schneesturm. Ich bin jeden Tag zufrieden.“

Posted in ,