Aktuell hält das Haas F1 Team die US-Fahnen in der Formel 1 hoch. Aber Mario Andretti, Weltmeister von 1978, wünscht sich einen Mann wie Colton Herta am Grid. Formelaustria hat mit der Legende gesprochen
Mario, wir haben derzeit zwei nordamerikanische Fahrer in der F1, Lance Stroll und Nicholas Latifi. Wie würdest Du ihre jeweiligen Jahreszeiten bewerten?
Es sind zwei junge Burschen aus Kanada, die sich tapfer schlagen. Wenn sie in der nächsten Saison besseres Material zu gleichen Wettbewerbsbedingungen bekommen, können sie in der Startaufstellung noch weiter nach vorne rücken. Beide zeigten heuer auf alle Fälle eine deutliche Leistungssteigerung.
Obwohl Stroll in der Gesamtwertung nur auf Platz 13 landete, lag er nicht weit hinter seinem berühmten Teamkollegen Sebastian Vettel, einem viermaligen Weltmeister.
Als sie Vettel holten, dachten sie bei Aston Martin, er sei Weltmeister und daher eine gute Messlatte für Stroll. Meiner Meinung nach hat Lance das bewundernswert gemacht. Er hat gezeigt, dass er in die Formel 1 gehört. Einige seiner Darbietungen waren brillant und er hat sich seinen Platz verdient, auch wenn viele Leute behaupten, er sei nur da, weil sein Vater das Team besitzt. 2021 hatten sie mit den Problemen des Autos zu kämpfen. Lance war ebenbürtig und manchmal sogar besser als Sebastian. Ich glaube, Vettel ist ziemlich frustriert. Er dachte wahrscheinlich, dass das Auto viel mehr wie in der letzten Saison sein würde, aber Aston Martin hat auch stark unter den Änderungen der Unterbodenregelung gelitten.
Latifi landete in Ungarn auf P7 und holte die ersten Punkte für Williams seit Robert Kubicas 2019. Ein massiver Schub für ihn, oder?
Nicholas lag zu Beginn des Jahres deutlich hinter Russell zurück, aber gegen Ende der Saison holte er George wirklich ein. In der zweiten Jahreshälfte kam er gut in Fahrt, fand seinen Rhythmus und zeigte mehrere gute Rennen.
US-Formel-1-Fahrer sind zu einer bedrohten Art geworden. Im neuen Jahrtausend hatten wir nur zwei – Scott Speed und Alex Rossi…
Es ist tatsächlich an der Zeit, einen guten, jungen Burschen für den Sport zu gewinnen. Ja, wir haben Haas F1 als Team, aber was Du wirklich brauchst, ist einen Fahrer. Mein Sohn Michael (Andretti) arbeitet hart daran in die Szene einzusteigen und er würde in Zukunft natürlich mit einem US-Fahrer fahren.
Williams hat kürzlich Logan Sargeant für seine Akademie verpflichtet. Siehst Du ihn als zukünftigen amerikanischen F1-Fahrer?
Wir werden sehen, wie er in der Formel 2 abschneidet. Er hat in letzter Zeit einige gute Ergebnisse gezeigt, aber ich kenne ihn nicht persönlich, daher kann ich nicht viel über ihn sagen.
Auf der anderen Seite ist Colton Herta eine der heißesten Aktien in der IndyCar…
Colton ist ein Junge, den man sich merken sollte. Er ist in ganz jungen Jahren schon in Europa gefahren, war mit Leuten wie Lando Norris unterwegs. Michael (Andretti) gab ihm eine Chance in der IndyCar und er schlug sofort ein. Colton ist 21 und hat bereits Rennen und Poles gewonnen. Und vergiss nicht, er gewann Rennen durch reinen Speed, nicht durch Strategie oder Benzin Poker. Er ist sehr ruhig und zurückhaltend, sehr reif für sein Alter. Alles, was ich bei ihm sehe, gefällt mir sehr. Er würde so gut in die Formel 1 passen.
Schade für ihn, dass der Alfa Romeo Sauber-Deal für Michael nicht geklappt hat.
Ja. Als Colton für Sauber in Frage kam, wäre es perfekt gewesen, ihn an der Seite von Valtteri Bottas zu haben. Das wäre wunderbar gewesen. Bottas ist ein großartiger Mensch und ein sehr respektabler Fahrer. Colton war damals in der Schweiz am Simulator, und er war schneller als Antonio Giovinazzi und Kimi Raikkönen von Sauber. Er war eine ganze Woche dort und hat mit dem Team gearbeitet. Ich würde ihn gerne in einem richtigen F1-Auto sehen, aber es muss schnell gehen.
Wir haben 2022 (noch) keinen amerikanischen Fahrer in der Formel 1, aber wir werden zwei US-Grands-Prix im Kalender haben. COTA hat sich als eines der Highlights etabliert und nun kommt der Miami GP dazu.
Es ist fabelhaft. Es ist fantastisch für unser großes Land, wieder zwei F1-Rennen zu haben. Es wird die Fangemeinde noch mehr aufwecken. Unsere US-F1-Fangemeinde wird ziemlich unterschätzt, aber sie braucht einen Kick. Nachdem die Formel 1 Long Beach verlassen hatte, war jede andere Strecke eine Art Zigeuner-Lager. Der F1 Zirkus kam dorthin, fuhr ein- oder zwei Rennen, und ging dann wieder. Aber ich denke, diesmal ist es solide. Austin wird hoffentlich für immer dabei sein und Miami wird groß! Sie bauen nicht nur eine temporäre Strecke und veranstalten eine einmalige Show. Es wird dort viel Geld investiert, nicht nur für das Rennen, sondern auch für die gesamte Infrastruktur. Die Veranstalter werden daraus ein Mega-Event machen.
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