Alesi: „So etwas gibt es nur bei Ferrari.“

Jean Alesi war fünf Jahre lang Teil der Ferrari-Familie, hat also selbst den Druck für Ferrari-Piloten beim Heimrennen in Monza gespürt.  

„Das war immer eine gewaltige Verantwortung.“, erinnert sich Alesi. „Die Tifosi erwarten, dass Ferrari-Fahrer vorne mitmischen, ungeachtet aller Schwierigkeiten. Charles Leclerc hat hier 2019 mit Ferrari gewonnen, der Monegasse weiß also, wie er mit diesem Druck umgehen kann.“

„Ich bin in der Formel 1 für sechs Teams gefahren, aber Ferrari ist unvergleichlich. Ferrari ist nicht einfach ein Rennstall, er ist hier die Nationalmannschaft, und für viele Tifosi ist Ferrari Religion. Ich empfand die Unterstützung der Fans bei aller Verantwortung immer als überaus beflügelnd.“, erklärt er.

„Was die Ingenieure angeht, so erkenne ich keinen Unterschied zu früher, es waren früher die klügsten Köpfe der Branche, und das sind sie heute auch. Und früher war es ebenso wichtig, in einem konkurrenzfähigen Wagen zu sitzen, wie heute. Aber wir hatten viel weniger Daten zum Wälzen, und das Reglement ließ es zu, dass die Autos zu meiner Zeit markant unterschiedlich aussehen konnten.“, so der ehemalige Ferrari-Pilot. „Aber egal wie hochspezialisiert der Sport geworden ist, der Mensch macht noch immer den Unterschied. Schau dir an, welch tolle Rennautos Adrian Newey vor dem Hintergrund eines engmaschigen Reglements gebaut hat. Schau dir an, welche Leistungen Max Verstappen zeigt, gemessen an seinen Stallgefährten. Letztlich ist die Formel 1 nicht zu technisch geworden, einfach anders.“

Aus seiner Zeit blieb viel Schönes für Alesi in Erinnerung. Zum Beispiel, als er „beim Großen Preis der USA in Phoenix 1990 ein rundenlanges Duell mit Ayrton Senna hatte, er im McLaren, ich im Tyrrell. Die Führung wechselte ein paar Mal hin und her. Ich konnte Ayrton komplett vertrauen bei diesem Rad an Rad-Duell. Das war pure Magie.“

Der Traum vom Sieg mit Ferrari in Monza wurde ihm nie erfüllt, doch „,wenn ich durch die Tore in den königlichen Park komme, liegt so viel Liebe und Leidenschaft in der Luft, das ist ein berauschendes Gefühl. Die Fans haben mich bis heute im Herzen behalten, und ich merke, dass ich auf Lebzeiten zur Familie gehöre. So etwas gibt es nur bei Ferrari.“

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