Alesi: „Hamilton ist einer der großen Namen unseres Sports!“

Jeder Ferrari-Fan kennt ihn, jeder Gerhard Berger Fan kennt ihn, und sonst kennen ihn auch die meisten Formel 1 Fans – Formelaustria hat mit ihm gesprochen – Jean Alesi

Die Formel 1 Saison 2021 ist geschlagen. Wie ist Dein Resümee?

Wir haben dank der großartigen Arbeit zweier Teams, die sehr nahe beieinander liegen, eine außergewöhnliche Meisterschaft erlebt. Mercedes war bisher in der Hybrid-Ära immer unschlagbar, und dann kommt Red Bull und bricht nach so vielen Jahren deren Vorherrschaft. Die Dominanz von Hamilton war immens und er fühlte sich fast unnahbar an. Aber wir, die Fans, und auch der Sport, brauchten eine hart umkämpfte Meisterschaft wie diese. Verstappen hat Talent, und den brillanten Umgang mit Material und Maschine bewiesen.

Der Kampf zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton prägte 2021. Wie hast Du ihn erlebt?

Das Spektakel durch Mercedes und Red Bull war enorm. Sowohl Verstappen als auch Hamilton hätten den Titel dieses Jahr verdient gehabt. Dann kam das Safety Car in Abu Dhabi und veränderte alles. Aber so ist Motorsport.

Du sprichst über etwas, das die ganze Welt bewegt hat, sehr gelassen….

So etwas wie beim Saisonfinale kann immer passieren. Die Regeln sind klar, das Problem ist der ständige Dialog zwischen der Boxenmauer, den Teamchefs und dem Rennleiter. Kannst Du Dir vorstellen, dass Massimo Allegri (Trainer Juventus Turin) oder ein anderer Trainer über Kopfhörer mit dem Schiedsrichter verbunden ist? Die Spiele würden ewig dauern.

Du hast in den letzten Tagen auch für einen Knalle gesorgt, aber in Form eines Böllers…

Es war nur ein Scherz, ich hätte mir nie vorstellen können, dass ein Feuerwerkskörper für so viel Aufsehen sorgt. Wir ließen einen Böller krachen und bumm, war die Polizei da und nahm mich fest. Zuerst wurde ich auf Anweisung des Magistrats in einen Raum eingesperrt, dann „entließen“ sie mich wieder. Die Polizisten verstanden selbst nicht, warum so viel Wut auf mich gerichtet war. Auf der Polizeistation verbrachten wir dann einen fantastischen Abend, bevor ich entlassen wurde und wieder nach Hause konnte.

Ernsthaft, einen fantastischen Abend?

Ja, sie waren alle große Formel 1 Fans. Ich habe alte Anekdoten erzählt, von dem Unsinn, den wir zu unserer Zeit gemacht haben, und dann von dieser unglaublichen Weltmeisterschaftssaison heuer.

Hamilton hat sehr viele Fans, aber auch viele Kritiker, die sagen, er wäre nur so gut, weil sein Wagen der Beste ist…

Das ist Unsinn. Er ist einer der großen Namen der Formel-1-Geschichte, wie Prost, Senna, oder Schumacher. Dieser Sport hat sich im Vergleich zu früher stark verändert, aber man merkt immer noch den Unterschied zwischen den guten und den sehr guten Fahrern. Hamilton und Verstappen erzielen mit ihren Autos ganz andere Ergebnisse als ihre Teamkollegen Bottas und Perez, die dasselbe Material haben.

Hinter den beiden Topteams hat sich Dein Ex-Team Ferrari nach einer schlimmen Saison wieder zurückgekämpft!

Sie sind nach einem dramatischen Jahr 2020 aus dem Loch gekommen und haben wie die Löwen um den dritten Platz gefightet. Die Leistung von Carlos (Sainz) ist für mich keine Überraschung. Er erwies sich sowohl als harter Arbeiter wie auch als exzellenter Teamplayer. Ferrari hätte sich neben dem „Phänomen“ Charles (Leclerc) keinen besseren Fahrer aussuchen können. Diesbezüglich haben sie wohl die stärkste Paarung für die Zukunft.

Wie siehst Du die Chancen von Ferrari in der kommenden Saison?

Für das kommende Jahr mit den geänderten Regeln bin ich zuversichtlich. Es wird eine Chance für Ferrari, zu versuchen, die Führung zu übernehmen. Ich bin ein Ferrari Fan und muss optimistisch sein. Mein Herz war immer rot und wird es auch bleiben.

Deinen einzigen Grand Prix Sieg hast Du auch bei den Roten geholt – Kanada 1995…

Als Sohn von Auswanderern mit einem Auto aus Maranello einen Grand Prix zu gewinnen, war für mich, aber vor allem für meine Verwandten in Sizilien, eine unbeschreibliche Freude. Sie feierten tagelang. Für mich war es zuerst gar nicht so toll, weil ich mir 20 Runden lang Sorgen machte, dass der Wagen nicht wieder kaputtgehen würde, wie so viele Male zuvor als ich wie der sichere Sieger aussah. Als ich über die Ziellinie fuhr, war es natürlich fantastisch.

Bei Ferrari bist Du lange Zeit mit Gerhard Berger gefahren. Wie kamt Ihr beide zurecht?

Am Anfang war ich nicht glücklich, dass er zu Ferrari kam. Ich hatte durch Journalisten seine Vertragskonditionen gesehen und die waren viel besser als meine. Ich rief Niki Lauda (Ferraris Berater) an und fragte ihn, ob das fair sei. Aber Teamchef Luca di Montezemolo sicherte mir gleiche Konditionen zu und das war dann auch so. Ich mag Gerhard als Person aber sehr. Wir fuhren fünf Jahre zusammen (drei bei Ferrari und zwei bei Benetton) und wir hatten eine großartige Zeit. Gerhard zeigte nach außen immer seine Lebemann-Seite und er war ein Sex-Maniac. Aber er war auch unglaublich professionell, bereitete sich immer akribisch auf jedes Rennen und Testen vor. Wir haben dennoch viele lustige Momente gemeinsam erlebt. Am coolsten war als wir den Wagen von Jean Todt, einen Lancia Epsilon 10, vor Enzo Ferraris Haus geschrottet haben.

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