Was sagen die Tests?

Wie vor jeder Saison sind die Erwartungen hoch, die Hoffnung groß und die Fragen zahlreich. Die Sportzeitung war bei den F1-Testfahrten live vor Ort und analysiert kurz den aktuellen Stand der Teams

Mercedes-AMG F1
Das Weltmeister-Team scheint immer noch der große Gejagte zu sein. Die Tests verliefen nahezu reibungslos und auch die Rundenzeiten, besonders der Long-Runs, bestätigten den Eindruck. Natürlich spielte noch keiner wirklich mit offenen Karten. Was sich aber abzeichnet ist, dass Neuzugang Valtteri Bottas, der heuer den abgetretenen Champion Nico Rosberg bei den Silbernen ersetzt, noch längst nicht auf dem Niveau von Lewis Hamilton fahren kann. Die Zeiten des rein teaminternen WM-Duells könnten also vorbei sein.

Red Bull Racing
Bei den Bullen freut man sich auf die neue Saison, denn dieses Jahr ist die Aerodynamik wieder wesentlich wichtiger und hier hat man mit Adrian Newey den Guru schlechthin an Bord. Mit Daniel Ricciardo und Max Verstappen hat man die wohl auch hungrigste Fahrerpaarung hinterm Lenker, die alles für den nächsten Sieg tun werden. Dennoch bleibt bei den Renndosen die Schlüsselfrage was der Renault-Motor in der Lage zu leisten ist. Die Franzosen haben eindeutig an Power zugelegt, aber die Standfestigkeit ist nicht immer gegeben.

Scuderia Ferrari
Im Vorjahr die absolute Enttäuschung, scheint man bei den Roten einiges gefunden zu haben. Sowohl Sebastian Vettel als auch Kimi Raikkonen waren in Barcelona pfeilschnell, brachen ihre Toprunden sogar immer wieder ab. Auch die Beständigkeit war top. Dementsprechend könnte es 2017 zu einem Revival des Traditionsteams kommen. Siege scheinen dem ersten Eindruck nach, absolut in Griffweite.

Sahara Force India
Teamboss Vijay Mallya hat vor wenigen Tagen das österreichische Unternehmen BWT als neuen Hauptsponsor präsentiert, weswegen seine Renner in Zukunft im selben Zuckerlrosa über die Piste brettern werden, wie Lucas Auer in seinem DTM-Mercedes. Allerdings hat der Inder mit Nico Hülkenberg einen Topfahrer verloren, auch wenn er mit Esteban Ocon ein Toptalent geholt hat. Dennoch scheint der angekündigte Angriff auf die Top 3 durch Ocon und Nummer 1 Sergio Perez eher unwahrscheinlich.

Williams Martini Racing
Mit Bottas hat man den Topfahrer verloren, allerdings Felipe Massa wieder aus der Rennpension zurückgeholt. Den zweiten Wagen steuert der kanadische Rookie Lance Stroll, der viel Talent mitbringt, aber wenig Erfahrung hat und den Boliden bei den Tests gleich mehrfach crashte. Allerdings konnte man sich mit Paddy Lowe einen Fachmann am Kommandostand engagieren. Dementsprechend kam es nicht ganz überraschend, dass der neue Williams in Barcelona pfeilschnell war. Bedenkt man, dass Massa im Vorjahr meist hinter Bottas herhinkte, wäre vielleicht sogar noch mehr drin.

McLaren Honda
Die größte Wundertüte der Formel 1 ist weiterhin McLaren. Der erste Wagen nach der Ära Ron Dennis ist zwar schön, aber die Testfahrten waren aufgrund der Unzulänglichkeiten des nagelneuen Honda-Motors wieder einmal ein Desaster. Mit dem erfahrenen Sportmanager Zak Brown am Ruder könnte aber ein neuer Wind in Woking wehen und die Japaner endlich auf Schiene kommen. Denn sollte das nicht klappen, wird Superstar Fernando Alonso wohl schon nach wenigen Rennen den Hut draufhauen.

Scuderia Toro Rosso
Den Preis für die coolste Lackierung hat der Toro Rosso Renner schon gewonnen. Damit wird Teamchef Franz Tost aber nicht zufrieden sein, zumal er weiß, dass er mit Carlos Sainz Jr und Daniil Kvyat zwei hochveranlagte Fahrer hat. 2017 fährt man auch mit Renault Motoren, wird also – nicht wie letzte Saison mit dem alten Ferrari-Aggregat – von Updates profitieren können.

Haas F1
Völlig unaufgeregt wird bei Gene Haas gearbeitet. Und die Amerikaner scheinen heimlich, still und leise wieder einen soliden Rennwagen gebaut zu haben. Sowohl Romain Grosjean, als auch Neuzugang Kevin Magnussen waren bei den Testfahrten immer gut dabei und mit ihrem neuen Dienstwagen auch zufrieden. Es scheint als wäre Platz 8 in der Konstrukteurswertung 2016 keine Eintagsfliege gewesen. Haas sollte erneut im vorderen Mittelfeld dabei sein.

Renault Sport F1
Nico Hülkenberg ist mit der Absicht zu Renault gewechselt, mit einem Werksteam in naher Zukunft endgültig den Durchbruch zu schaffen. Und auch die Franzosen haben sich nun voll und ganz der Formel 1 verschrieben. Der neue Wagen macht nicht nur optisch einen deutlich aggressiveren Eindruck, sondern zeigte auch auf der Piste einige Male auf, obwohl die Testfahrten noch ein wenig holprig verliefen. Dennoch sollten die Gelben heuer weiter vorne landen können.

Sauber F1
Die Neuentwicklung der Schweizer ist wunderschön geworden, doch ob der Wagen auch schnell ist, ist noch nicht wirklich klar. Neben Marcus Ericsson wird 2017 Mercedes-Junior Pascal Wehrlein hinterm Steuer sitzen. Die Testfahrten waren nicht wirklich berauschend, doch durch die Pleite von Manor GP hat man Platz 10 in der Teamwertung und damit den Geldsegen schon sicher.