Liebe kann man nicht kaufen, oder doch?

Katar ist bereit, eine große Summe für ein Formel 1 Rennen zu bezahlen, aber die meisten Rennsportfans wollen nicht noch einen Grand Prix im Mittleren Osten

Abu Dhabi hat einen. Sogar das kleine Bahrain hat einen. Aber das finanziell viel mächtigere Katar hat keinen. Einen Formel-1-Grand Prix. Als 2004 erstmals die MotoGP am Losail International Circuit in Katar zu Gast war, konnte Bahrain das Ganze mit dem Debut der Formel 1 im arabischen Raum noch toppen. Eine Tatsache, die Nasser bin Khalifa Al Attiyah noch immer ein massiver Dorn im Auge ist.

Was auch immer nötig ist
Der Präsident des Katarischen Motorsportverbandes traf sich schon letzte Saison mit dem damaligen F1 Supremo Bernie Ecclestone um sich über einen Grand Prix in der parlamentarischen Monarchie zu verständigen. Ein Grand Prix in Katar würde die F1 Tour im Mittleren Osten auf drei Events ausweiten. Allerdings hatte Ecclestone damals die kalte Schulter gezeigt und maximal eine Lösung im Jahreswechsel zwischen Bahrain und Katar in Aussicht gestellt. Laut Al Attiyah, der auch ein FIA-Vizepräsident ist, könnte nun aber ein Deal für ein Renndebüt 2018 oder 2019 mit den neuen Eigentümern der Königsklasse bevorstehen. Dazu brauchte es Katars Zustimmung anstatt die Losail-Strecke zu benutzen, ein Stadtrennen in Doha zu veranstalten. “Das wäre natürlich etwas ganz anderes, als das, was Bahrain zu bieten hat”, so Al Attiyah. Scheich Salman bin Isa Al Khalifa, Boss des Bahrain International Circuit, hat mittlerweile bestätigt, “dass es Gespräche gibt. Ich weiß nicht, welche Auswirkung es auf unser Rennen haben wird.” Eine Vereinbarung könnte aber angeblich schnell erzielt werden, wenn die Kataris bereit sind, die Kosten für den Bahrain GP mit zu übernehmen.

Auf dem Vormarsch
Anders als in Bahrain (jährliches BIP USD 32 Milliarden) hat Katar seinen enormen Reichtum (jährliches BIP USD 202 Milliarden) auch dazu verwendet, um sich in die Top-Sportveranstaltungen der Welt einzukaufen. Allein im neuen Jahrtausend hat die 11.600 km2-Nation – etwa die Hälfte der Größe Siziliens – neun Weltmeisterschaften und elf asiatische Meisterschaften veranstaltet, darunter die Volleyball WM 2009, die Leichtathletik WM 2010, den Asien-Fußball-Pokal 2011, die 2011 Arab Games und die Handball WM 2015. Die Rad WM, die Outdoor Leichtathletik WM, der FIFA Confederations Cup und die FIFA Fussball WM sind auch bereits an den Halbinsel-Staat vergeben worden. Darüber hinaus haben die Equestrian Global Champions Tour, die WTA Tennis Tour, die IAAF Diamond League und natürlich die MotoGP auch ein Zuhause in Doha gefunden. Keine anderere Nation hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten so viele Top-Sportveranstaltungen veranstaltet. Das Land steht kurz davor, zu einem der größten Playern im Weltsport zu werden, und Dank seines beIN Sports Netzwerks jagt man auch die führenden Sport-TV-Kanäle beim Kauf von Übertragungsrechten.

Mehr Öl ins Feuer
Ein dritter Grand Prix in der Region wäre womöglich eine Genugtuung für die Kataris, wäre aber wohl das vollkommen falsche Zeichen für die Königsklasse. Schon “Big Bernie” wurde in den letzten Jahren oft vorgeworfen sich nicht um die sportliche Seite der Formel 1, sondern nur um die Profite zu kümmern. Die Aufnahme von Aserbaidschan als Europa GP war der bislang letzte “schlechte Witz”. Ein Katar GP würde sicher viel Geld in die Kassen spülen, aus deren Topf 60% den Teams zustehen. Aber es würde den Druck auf traditionelle Veranstaltungen wie den Deutschen, ​​den Italienischen oder den Belgischen GP ausüben – alle drei Veranstaltungen werden zudem von Fahrern und Fans gleichermaßen geliebt. Der Umzug in neue Märkte, weg vom Herzen der Formel 1, Europa, ist sicher der falsche Weg. Immer noch stammt der bei weitem größte TV-Publikumsanteil (60% des globalen Zuschaueraufkommens) vom alten Kontinent. Die Verleihung eines Rennens an den viel gescholtenen arabischen Staat wird dem Image des Aushängeschilds des Motorsports mehr schaden, als jeder Barscheck versüßen kann.