Ene, Mene, Muh – wer verliert sein Cockpit als Erster?

Die Saison 2017 ist erst drei Rennen alt, doch schon beginnt die Gerüchteküche zu brodeln, dass der eine oder andere Pilot sich bereits sorgen um seinen Job machen muss.

Zu viele gute Fahrer stehen vor der Tür und wollen in die Formel 1 Startaufstellung. Manche von ihnen haben nicht nur fahrerische Argumente, sondern winken auch mit Dollarnoten. Aber welche Fahrer könnten 2017 ihr Cockpit vorzeitig räumen müssen? Und wer könnte als Ersatz kommen? Formelaustria.at hat sich die Lage für Euch angesehen.

Jolyon Palmer (Renault) Der Brite steht seit seinem Engagement permanent unter Druck. Obwohl er die GP2 Meisterschaft souverän gewonnen hat, wurde ihm praktisch kein Kredit eingeräumt. Gegen Kevin Magnussen sah er im Vorjahr nur zu Beginn schlecht aus. Als er sich an die Formel 1 gewöhnt hatte, war er meist besser als der Däne. Allerdings hat er heuer mit Nico Hülkenberg einen übermächtigen Gegner, der als klare Nummer 1 geholt wurde. Renault sieht nun, dass der Wagen mit einem Topfahrer geht und wird daher von Palmer bald Ergebnisse verlangen. Wenn er nicht liefert, ist Jolyon raus.
Daniil Kvyat (Toro Rosso) Die „Russian Rocket“ ist immer noch schnell, aber seit der Degradierung von Red Bull Racing zu Toro Rosso, ist bei Daniil der Wurm drin. Er möchte unter allen Umständen beweisen, dass er auch auf dem Niveau von Daniel Ricciardo fahren kann, und riskiert daher oft zu viel. Wer viel Schrott produziert und zu wenige Punkte holt, wird für ein Team auf Dauer zu kostspielig. Kvyat muss sich also sammeln und die Sache ruhig angehen, sonst ist er weg.
Lance Stroll (Williams) Der kanadische Rookie hat in den Qualifyings bewiesen, dass er den Speed für die Königsklasse hat. Aber er ist noch nicht einmal im Ziel angekommen. Und auch wenn er zumeist unverschuldet aufgeben musste, zählen am Ende doch immer nur die Ergebnisse. Sein großes Glück ist, dass sein Talent auch finanziell durch seinen Vater gut abgesichert ist, und Williams als Privatteam Sponsoringgeld immer sehr gut brauchen kann. Zudem ist Sir Frank kein „Hire and Fire“ Typ.
Fernando Alonso (McLaren) Der Spanier verliert, absolut verständlicherweise, langsam die Geduld beim Projekt „McLaren-Honda.“ Um ihn bei Laune zu halten, hat ihm Teamchef Zak Brown den Start bei den Indy 500 geschenkt. Aber der bemitleidenswürdige Auftritt beim GP von Bahrain, als sogar der Sauber am Papaya-farbenen Boliden von Alonso locker vorbeizog, spricht Bände. Wenn Honda das Motor-Debakel nicht bald auf die Reihe bekommt, ist der spanische Doppelweltmeister über alle Berge.
Kevin Magnussen (Haas) Jan’s Sohn ist ein netter Kerl und ein guter Rennfahrer. Nicht mehr und nicht weniger. Kevin Magnussen ist kein kommender Formel 1 Weltmeister und auch keiner, der den Haas Boliden groß entwickeln wird. P8 in China war beachtlich, aber dazu gab es bislang zwei DNFs. Natürlich konnte der Däne nichts für die Ausfälle, aber wie erwähnt, zählt oft nur die Statistik. Auch Haas kann Sponsorgeld gebrauchen. Wenn sich also ein finanzkräftigerer, gleichwertiger Pilot anbietet, kann ein Tausch über Nacht kommen.

Es gibt also sogar fünf Cockpits um die es gehen könnte. Doch wer sind nun die Jungs, die die Lücken schließen könnten? Fahrerische Klasse dürfte nur bei Leuten wie Nico Rosberg oder Jenson Button genügen. Das heißt, wer racen will, muss auch Kohle mitbringen.

Felipe Nasr Der Brasilianer, der sich selbst für einen kommenden Weltmeister hält, will unbedingt zurück in die Formel 1. Mit der Finanzspritze der Banco do Brasil hat er natürlich ein gutes Argument. Allerdings hat er sich mit seiner Art sowohl bei Williams wie auch bei Sauber die Türen selbst zugeschlagen. Renault und Toro Rosso brauchen seine Sponsormillionen nicht wirklich, obwohl man sicher überlegen wird.
Antonio Giovinazzi Der Ferrari-Junior hat in den ersten beiden Saisonrennen gezeigt, dass er bereit ist, in der Königsklasse Erfahrung zu sammeln. Sein Auftritt in Melbourne war gut, die Bedingungen in China haben ihn noch etwas überfordert. Bei Sauber wird er an Wehrlein nicht vorbeikommen und Ericsson hat, wenn die Leistungen mal nicht stimmen, immer noch das Sponsor-Argument. Allerdings könnte ein Platz beim Ferrari-Kunden Haas frei werden.
Paul di Resta Der hochtalentierte Schotte ist auch 2017 wieder Testfahrer bei Williams F1 und könnte sofort einspringen. Frühpensionist Felipe Massa zeigt, dass der Bolide aus Grove schnell ist. Allerdings war Massa im Vorjahr fast immer klar langsamer als Teamkollege Valtteri Bottas. Dementsprechend liegt noch mehr drin. Stroll ist davon weit weg. Di Resta hätte die Pace.
Sergei Sirotkin Der 22-jährige Russe war bereits 2014 Testfahrer bei Sauber, bestritt damals auch das erste Training zum Russland GP. Sein Aufstieg in die Königsklasse scheiterte aber unter mysteriösen Umständen. Mittlerweile ist Sergei aber als Dritter der GP2 2015 und 2016 gereift und der Geldkoffer mit Rubel ist immer noch gleich groß.
Jenson Button „JB“ wird Alonso bei McLaren definitiv beim Monaco GP ersetzen, wenn der Spanier sein Übersee-Gastspiel in Indianapolis geben wird. Ob Button den Sitz dann gleich behalten wird können, weil Fernando keine Lust mehr hat, sich das Honda-Debakel anzutun, steht noch in den Sternen, scheint aber nicht ausgeschlossen.
Nobuharu Matsushita DerJapaner ist Hondas große Hoffnung für die Formel 1. 2014 wurde er japanischer Formel 3 Champion und stieg dann in die GP2 Series auf. Als Rookie gewann er in Ungarn und wurde in Österreich Dritter. 2017 ist er in seiner dritten vollen Formel 2 Saison und durchaus in der Lage – deutlich kostengünstiger als Alonso – mit dem lahmen McLaren hinter dem F1-Feld herzugondeln.
Jordan King Der Sohn des CEO der Supermarktkette Sainsbury’s ist nicht nur reich, sondern auch ein guter Rennfahrer. Der ehemalige Britische F3 Meister war 2015 und 2016 auch Testfahrer bei Manor GP, wo er beim US Grand Prix die Freien Trainings bestritt. Ein heißer Kandidat für Palmers Sitz.