Der Bottas Deal

perfekt-mercedes-bestaetigt-valtteri-bottas-felipe-massa-verschiebt-renteValtteri Bottas heißt der Nachfolger von Weltmeister Nico Rosberg bei Mercedes F1. Ein echter Finne folgt also auf einen “halben”. Aber ist Bottas auch nur halb so gut wie Rosberg? Wieso bekam Wehrlein seine Chance nicht? Und wären da andere Piloten nicht besser gewesen? Die Hintergründe.

Nico Rosberg erhielt bei der FIA Gala im Dezember 2016 in Wien seinen WM-Pokal und schockte dann die ganze Formel 1 Welt, inklusive seines Teams, mit dem Rücktritt vor laufenden Kameras. Silberpfeile-Boss Niki Lauda war außer sich, Teamchef Toto Wolff verschlug es die Sprache. Damit hatte keiner gerechnet. Der Champion entschied sich den Helm an den Nagel zu hängen und riß so ein großes Loch in das Erfolgskonzept von Mercedes. Lediglich seinen Stallgefährten Lewis Hamilton wird’s gefreut haben. Und im stillen Kämmerchen rieb sich wohl auch schon Nachwuchs-Pilot Pascal Wehrlein die Hände, denn der glaubte natürlich an sein Aufrücken vom Ersatz- zum Einsatzfahrer.

skysports-wolff-bottas-williams-f1_3851144Totos Kehrtwende

Doch weit gefehlt, Pascal. Schon nach wenigen Stunden ließ Wolff laute Zweifel verlauten, ob das deutsche Talent schon für die wichtige Aufgabe bereit sei und erklärte, er würde ihn noch 1-2 Saisonen bei einem kleineren Rennstall zum Sammeln von “Matchpraxis” sehen. Ein Schlag ins Gesicht für den Jungspund, der in seiner Rookie-Saison bei Nachzügler Manor GP mit tollen Leistungen und einem sensationellen Punktgewinn für Furore sorgte. Toto kennt den Druck, den man beim Weltmeisterteam hat, und den, den man als Fahrer an der Seite von Triple-Champion Hamilton hat. Er wollte kein Risiko eingehen und suchte daher fieberhaft nach einem gestandenen Toppiloten. Zunächst hagelte es aber nur Rückschläge, denn Sebastian Vettel wollte sich das Abenteuer Mercedes mit Hamilton nicht antun, “Iceman” Räikkönen stand nicht zur Debatte, und auch Fernando Alonso hatte keine Lust auf Hamilton. Zu gut hat der Spanier noch in Erinnerung wie ihn das damalige Formel-1-Kücken Hamilton 2007 bei McLaren den WM-Titel kostete. Zudem hat er bereits zwei harte Jahre in das Projekt McLaren-Honda investiert und hofft nun endlich die Saat ernten zu können. Wolff zog also weiter und hörte bei Red Bull rein, doch von dort kam in Sachen Ricciardo und Verstappen ein deutliches “Njet”. Damit war die Totos Shortlist praktisch zu Ende und es stand nur mehr der Name seines eigenen Schützlings, Valtteri Bottas, am Zettel.

13-Kaltenborn-WilliamsDer Dreiecks Deal

Hausintern war die Sache also klar: Wehrlein musste zufriedengestellt und Bottas von Williams losgeeist werden. Für den Deutschen musste man ein Umfeld schaffen, in dem er weiter lernen könnte, ohne dabei verheizt zu werden. Infolge der Probleme mit Felipe Nasr tat sich die Tür bei Sauber F1 auf und Wolff einigte sich auf dem kurzen, rot-weiß-roten Weg mit Landsfrau und Teamchefin Monisha Kaltenborn. Problem Nummer 1 gelöst. Bottas von Williams frei zu bekommen, war deutlich schwieriger. Natürlich hatte man mit dem Motoren-Deal ein Ass im Ärmel, aber jeder weiß, dass Sir Frank und Tochter Claire beinharte Verhandler und wahre Racer sind. Sie wußten um die Stärke von Bottas, der das Team 2017 auch anführen sollte. Ein Ersatz für den schnellen Finnen war nicht in Sicht und nachdem man schon mit Supertalent Lance Stroll einen 18-Jährigen im Cockpit sitzen hatte, wollte man nicht mit Wehrlein noch einen Youngster. Jenson Button wäre zu einem Rücktritt vom Rücktritt zu bewegen gewesen, aber das Team suchte jemanden, der sich nicht erst wieder eingewöhnen müsste. Daher überzeugten Claire und Toto gemeinsam Felipe Massa den Helm für die Saison 2017 noch einmal aufzusetzen. Es wird sogar gemunkelt, dass das Gehalt des Brasilianers aus der Daimler-Kassa strömt.

2,w=649,q=high,c=0.bildValtteris Chancen

Für die meisten Formel 1 Fans ist der ruhige Finne – auch wenn er nicht ganz so ruhig ist wie Räikkönen – auch vor seiner fünften Saison in der Königsklasse immer noch ein unbeschriebenes Blatt, eine graue Maus. Doch wer dies denkt, liegt völlig falsch. Valtteri gewann 2008 in einer Saison sowohl den Formel Renault Eurocup wie auch die Formel Renault 2.0 NEC Meistertitel. In der FR 2.0 NEC siegte er unglaubliche 12 Mal in 14 Rennen bei 13 Poles. 2009 und 2010 gewann er jeweils das prestigeträchtige Masters of Formula 3 Rennen in Zandvoort und schlug dabei Leute wie Daniel Ricciardo, Jules Bianchi, Edoardo Mortara oder Marco Wittmann. 2011 gewann er souverän die GP3 Series und wurde mit einem Testfahrervertrag bei Williams F1 belohnt. Seit seinem F1-Debüt 2013 holte er in 77 Rennen neun Podiumsplätze (2 x Zweiter, 7 x Dritter) und wurde 2014 WM-Vierter. Bedenkt man die Konkurrenzfähigkeit seines Williams eine absolute Topleistung. Auch im Vergleich zu seinem Langzeit-Teamkollegen Massa: Bottas holte in den drei Saisonen 407 Zähler, Massa 308. Der 27-Jährige ist nervenstark, schnell und konstant. Zweifelsohne wird er Hamilton wohl nicht gleich die Stirn bieten können, aber je länger die Saison dauert, umso näher sollte er ihm kommen. Wenn der Mercedes weiterhin das beste Fahrzeug bleibt, was zumindest bis zur Saisonmitte zu erwarten ist, scheint auch sein erster Grand Prix Sieg absolut möglich. Bottas wird gegen Hamilton auf alle Fälle deutlich besser aussehen als sein finnischer “Vorgänger” Heikki Kovalainen 2008.

 

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