Carey an die Macht

Seit wenigen Monaten ist das internationale Sport- und Unterhaltungsunternehmen Liberty Media der neue Rechtehalter der Formel 1. Chase Carey hat Langzeit-Mastermind Bernie Ecclestone abgelöst Sport Business Magazin sprach mit ihm

Chase, seit letztem Spätsommer ist Liberty Media der neue Vermarkter der Formel 1. Was steht aktuell auf Ihrer Agenda?
Auf unserer Agenda steht nichts anderes als den Sport für unsere Fans großartig zu machen. Und das kann nur gemeinsam gehen, denn jeder hier im Paddock hat seine eigene Sicht, was man wie machen sollte. Dieses Ideen und Ansichten gilt es nun zu bündeln und das Beste daraus zu machen.

Sie haben Bernies Ecclestone als Formel 1 Promoter abgelöst.
Bernie verdient höchste Anerkennung für das, was er aus der Formel 1 gemacht hat. Immerhin wurde sie gerade um acht Milliarden Dollar verkauft. Aber er nannte sich selbst immer einen Diktator und hat die Formel 1 lange als One-Man-Show geführt. Wir wollten etwas Neues, etwas Frisches einbringen.

War sein Ansatz die Formel 1 zu führen nicht mehr zeitgemäß?
Vieles lief in den letzten vier oder fünf Jahren in unserem Sport schief. Es wurde zu oft „nein“ anstatt „ja“ gesagt. Die Formel 1 muss wieder das einzigartige, außergewöhnliche Spektakel werden, das sie sein sollte. Die Entscheidungsfindung in Formel 1 hat in den letzten Jahren möglicherweise darunter gelitten, dass es zwischen den einzelnen Schlüsselfiguren zu viel Vorgeschichte gibt. Unser Einstieg erfolgt völlig unbelastet. Um in der heutigen Welt konkurrenzfähig zu bleiben, muss man Mittel und Wege finden sich mit den Fans zu verbinden und sie zu begeistern.

Welche neuen Wege wollen Sie beschreiten, um die Fans zu begeistern?
Unsere Fahrer sind gigantische Persönlichkeiten und wir müssen alle Möglichkeiten nützen, die Story bestens zu verkaufen, die Events noch viel größer zu machen, Musik und Entertainment um unseren Sport zu gruppieren. Wir haben große Rennen wie Singapur, Mexiko und Abu Dhabi, aber wir müssen alle Rennen mit Energie und Spannung verbinden. Wir sollten quasi 21 Super Bowls haben. Dazu müssen wir auch alle digitalen Plattformen nutzen. Und dann sollten wir sicherstellen, dass unsere Partner – die Teams, die Sponsoren, die Promoter, usw. – einzigartige Rennen auf die Beine stellen.

Die Teams haben Ihren ersten Vorschlag sie einzubinden aber ausgeschlagen….
Wir wären gerne mit den Teams enger verbunden und die Gespräche laufen gut. Unser ursprüngliches Angebot war zu kurzlebig, aber wir arbeiten gerade gemeinsam etwas Passenderes aus.

Die Teams waren sich in den letzten Jahren aber zumeist selbst nicht grün. Wie wollen Sie das ändern?
Wir wollen, dass es sich lohnt ein Team zu besitzen, eine Strecke zu führen, dass es sich lohnt Teil der Formel 1 zu sein. Dazu wollen wir mehr als Partner auftreten und alle dabei unterstützen erfolgreich zu sein. Abgesehen von der Frage der Gleichberechtigung geht es auch darum, wo wir unseren Sport sehen wollen. Die Teams müssen sich im Klaren sein, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein werden, sportlich und wirtschaftlich.

Diese Unterstützung wird besonders für europäische Traditionsstrecken wichtig sein.
Europa ist der Kernmarkt der Formel 1 und es ist klar, dass wir alle wichtigen Strecken im Kalender behalten wollen. Wir selbst können sie nicht profitabel machen, da wir keine Kurse kaufen werden. Aber wir werden die Betreiber unterstützen und daran arbeiten eine noch größere Show zu liefern.

Als amerikanisches Unternehmen werden Sie wohl auch in Ihrer Heimat mehr Rennen wollen?
Wir haben in Austin einen großartigen Event. Aber ja, wir planen ein weiteres Rennen in den USA dazu zu bekommen. Als Locations denken wir an in New York, L.A., Miami oder Las Vegas zu fahren. Wir sind überzeugt, dort ein ganz spezielles Rennen zu erschaffen. Die Formel 1 hat bislang sicher nicht genug in den US-Markt investiert. Das muss sich ändern.