Berger: „Bin kein Freund von Schnellschüssen!“

Formelaustria.at hat beim Medientag der DTM mit dem neuen Serienboss, Ex-Formel 1 Ass, Gerhard Berger gesprochen.

Herr Berger, warum haben Sie sich dazu entschieden, neuer ITR/DTM Aufsichtsrat zu werden?
Ich wollte die Tür zum Motorsport nicht endgültig schließen. Ich habe eine Tätigkeit gesucht, die sich sehr gut mit der Familie kombinieren lässt und dann kam diese Möglichkeit mit der DTM. Außerdem ist es sehr Heimatnah, wenn ich da an die F1 denke mit Australien, China und Dubai, das war mir dann zu weit weg. Ich habe die DTM schon immer verfolgt, in den letzten Jahren dank meines Neffen noch mehr.

Wann gab es den ersten Kontakt und wer ist auf sie zugegangen?
Den ersten Kontakt gab es bereits im letzten Jahr. Die drei Hersteller (BMW, Audi, Mercedes) sind direkt auf mich zugegangen.

Sehen Sie schon Bereiche, in denen Sie handeln müssen?
Zuerst möchte ich sagen, dass in der Vergangenheit in der DTM nicht nur Fehlentscheidungen getroffen worden sind. Wenn ich mir das Einheitsbauteile Konzept, die Autos oder das Rennformat anschaue. Es sind gute Entscheidungen getroffen worden. Aber natürlich gibt es Schrauben, an denen man drehen kann. Und das werden wir machen, gemeinsam mit den drei Herstellern. 2017 wird ein Jahr der Analyse. Wir werden alles analysieren und ab Saisonmitte können wir dann eine Prognose für die Zukunft wagen. Wichtig ist, Ruhe zu bewahren, denn ich bin kein Freund von Schnellschüssen!“

Welche Änderungen streben Sie denn zum Thema ‚Internationalisierung der DTM‘ an?
International ist für mich ein sehr großes Wort. Wenn ich das höre, denke ich an Asien oder Südamerika. Auf beiden Kontinenten gibt es bereits ähnliche Serien mit ähnlichem Reglement zur DTM. Dennoch finde ich, dass der Kern der DTM in Deutschland und in Europa liegt und darauf werden wir uns fokussieren. Ich sehe neun Läufe als Untergrenze. Es sollten meiner Meinung nach zwischen zehn und zwölf sein.

Das Fahrerfeld der DTM wurde von 24 auf 18 reduziert. Was möchten Sie dagegen tun und ist die DTM offen für neue Hersteller?
Ich sehe 18 Autos als totale Untergrenze an. Es müssen mehr werden. Beim Thema Hersteller sind wir offen! Wir würden neue Hersteller und den damit verbundenen Konkurrenzkampf begrüßen.

Wann hat ihr Neffe, Lucas Auer, davon erfahren, dass Sie neuer Aufsichtsrat der DTM/ITR werden?
Wahrscheinlich als letzter! (lacht) Ich habe mit ihm nicht darüber gesprochen und ich finde man sollte Politik und Familie stets trennen und das kann ich gut.

Wieviel Potential steckt denn in Lucas und inwiefern haben Sie seine Karriere gefördert?
Lucas ist schnell. Er muss aber die Konstanz finden. Ich habe seine Karriere verfolgt, aber nicht direkt gefördert. Das hat alles meine Schwester gemacht. Ich habe seine Rennen verfolgt und ihm hier und da mal Tipps gegeben. Seit er in der DTM fährt, ist er erwachsen geworden und hat seinen eigenen Kopf.