Befreiungsschlag der Bullen?

Bei Red Bull Racing hofft man in den engen Gassen von Monaco den motorischen Rückstand auf Mercedes und Ferrari mit Aerodynamik und guter Strategie wettmachen zu können

Mitte der 1920er Jahre hatte Anthony Noghès, damaliger Vorsitzender des Automobilclubs von Monaco, die legendäre Idee in den Gassen des Fürstentums ein Autorennen zu veranstalten. 1929 kam es zur Premiere, die William Grover Williams gewann. Der Brite starb später als von den Nazis überführter Spion im KZ Sachsenhausen. Der Monaco Grand Prix wurde zum Publikumsmagneten und war schon im Gründungsjahr der Formel-1-Weltmeisterschaft 1950 dabei, ab 1955 als fixer Bestandteil. „Eigentlich darfst hier in Monaco gar nicht fahren, weil es ein völliger Irrsinn ist“, analysierte Niki Lauda einst über den Grand Prix im Paradies der Reichen und Schönen. Dennoch war Monaco auch stets ein gutes Pflaster für österreichische Piloten, auch für den Dreifach-Champion mit dem roten Kapperl: Jochen Rindt holte sich 1970 den Sieg, Niki Lauda gewann 1975 & 1976, wurde 1977 & 1978 jeweils Zweiter, Gerhard Berger trug sich 1988 & 1989 als Zweiter sowie 1990, 1994 und 1995 als Dritter in die Ergebnislisten ein.

Bullen weiter im Tief

Österreicher wird 2017 keine am Start sein, aber ein rot-weiß-rotes Team, das einiges gutzumachen hat. 2006 holte David Coulthard mit Platz 3 das erste Monaco-Podium für Red Bull Racing. Seit damals sind drei Siege, drei 2. Plätze und zwei weitere 3. Plätze dazugekommen. In der Vorsaison waren die Bullen im Kurvengeschlängel an der Cote d’Azur eine Macht und verschenkten den sicheren Sieg mit einem versemmelten Boxenstopp von Daniel Ricciardo. Heuer war der Rückstand zur Spitze von Mercedes und Ferrari deutlich größer, allerdings zählen gerade im Fürstentum Motorpower und Topspeed weniger. “In Russland hatten wir keine Chance. Mit 50 PS weniger konnten wir mit der Spitze nicht mithalten. Aber wir haben in Barcelona dennoch einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gemacht”, so Red Bull Motorsportdirektor Helmut Marko.

Stetige Verbesserungen

Man konnte schon einige Schwächen des Boliden angehen, aber der RB13 ist nicht schnell genug, und zudem fehleranfällig. „Wir sind viermal ausgefallen, was deutlich zu viel ist”, so Marko, „vor allem, weil es dreimal technische Defekte waren.“ Einmal streikte der Motor, zweimal versagten die Bremsen, wahrscheinlich, weil man übers Limit gehen musste, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Für Monte Carlo soll nun das nächste Update-Paket folgen, das zusätzlichen Abtrieb bringen soll. Auch für die weiteren Rennen bis zur Sommerpause sind Verbesserungen geplant. „Den Rückstand von einer halben Sekunde werden wir bis dahin wohl nicht schaffen, aber unser Plan ist, uns sukzessive heranzuarbeiten und dann gegen Rennende um Siege mitfahren zu können.“ In Monaco heißt die Devise zunächst einmal ins Ziel kommen, vor allem bei Max Verstappen, der in Barcelona nur eine Kurve weit kam. „Spanien war natürlich ein Rennen zum Vergessen, aber es war ein Racing Incident. So etwas passiert. Nun möchte ich in Monaco richtig Gas geben.“ Und was das bedeutet, hat uns der junge Niederländer schon mehrfach gezeigt.